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Reform der Reform zur Prä-Reformzeit

Neulich habe ich mich über diesen Beitrag amüsiert. Baden-Württemberg möchte also zurück zu den Leistungsfächern, was ich wirklich nur begrüßen kann – dieser seltsame Mischmasch von vierstündigen Kursen, die irgendwo zwischen dem, was ich als Grundkurs und dem, was ich als Leistungskurs verstehe, schweben, ergibt für mich wirklich nicht viel Sinn.
Amüsant fand ich, dass ich aus einem Bundesland komme, in dem es drei „Intensivkurse“ à fünf Wochenstunden gibt, was an meiner baden-württembergischen Uni immer eher belächelt wurde, obwohl ich das System wirklich sinnvoll finde (…und mich dieses System, mal ganz am Rande, hervorragend auf das Studium vorbereitet hat!). Und siehe da, plötzlich gilt das als „neues Konzept“, nun denn. 

Ich bin gespannt auf Ende Juni, da soll der Vorschlag angeblich stehen. Nach all den Reformen klingt das doch ein bisschen nach back to the roots – die CDU BaWü spricht wieder von Leistungsfächern; an einer Schule, die sowohl G8 als auch G9 anbietet, gab es neulich ~180 Anmeldungen für G9 und noch ganze fünf für G8. Vielleicht kommt hier auch irgendwann der Vorschlag um G8 1/2 auf und alle sind ganz aus dem Häuschen? 😉

Es bleibt spannend. 

You never walk alone?

Ich bin heute Abend nicht viel weniger fassungslos als ich es heute Morgen war, als ich aufwachte, auf meinem Smartphone etwas las von „knappe Entscheidung“, klar mit einem knappen „Remain“ gerechnet hatte und aus allen Wolken gefallen war.

Ziemlich genau ein Jahr, nachdem ich das Vereinigte Königreich verlassen habe, hat das Vereinigte Königreich jetzt uns verlassen. Oder zumindest dafür gestimmt, möglichst bald „AdiEU“ zu sagen. Ich kann es wirklich nicht glauben und bin gleichzeitig wütend und traurig. Und ich fühle mit all meinen britischen Freunden, die das definitiv verhindern wollten und heute Morgen Dinge wie „Please stop the world – I want to get off“ und „I’ve never been more ashamed of being British than I am today“ gepostet haben. 

So viel zu you never walk alone und europäischen Werten. Wie irgendein Mensch im Internet zynisch von sich gab: „Wer hätte gedacht, dass die Briten länger in der EM bleiben würden als in der EU?“ Wenn das mal nicht auch das Ende des großen, Vereinigten Königreichs bedeutet (die Schotten haben’s ja schon vorher angekündigt, dass es Konsequenzen haben wird, und die Nordiren haben auch klar für ein Verbleiben in der EU gestimmt). 

Mir fällt dazu nicht mehr viel ein. Great Britan isn’t really that great anymore.
Oder wie J.K. Rowling es formulierte:

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Tja. Da bleibt uns wohl nicht mehr viel übrig, als unserem Auswärtigen Amt in den Pub zu folgen…

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Märchenland Bologna

Ich muss Folgendes gestehen: Ich bin angefressen. Von Bologna, vom Geschwafel der sogenannten „internationalen Vergleichbarkeit“, von all den lieben Märchen, die uns so erzählt werden.

Zugegeben: Bevor ich ins Ausland ging, habe ich mich damit nicht allzu sehr befasst. Ich habe alles hingenommen, und das deutsche System eben als „normal“ angesehen – die Verteilung von ECTS, die elend langen Hausarbeiten, die uns in jedem Fach abverlangt werden, dass jedes Modul außerdem mit einem Referat einherkommt, das man dann gerne noch schriftlich ausarbeiten darf oder wahlweise seitenlange Protokolle schreibt, dass wie in der Schule gar die mündl. Mitarbeit benotet wird – und das generell der Riesennotendruck herrscht, ständig, denn alles zählt und genau das wird uns auch stets ins Gedächtnis zurückgerufen. Das Bachelor/Master-System beinhaltet, dass man am Ende jedes Studienabschnittes, also immer dann, wenn es um einen akademischen Abschluss geht, eine wissenschaftliche Arbeit verfassen muss. All das habe ich so hingenommen – und dank Bologna und dem Geschwafel der internationalen oder doch zumindest inner-europäischen Vergleichbarkeit als ’normal‘ betrachtet, also eben als überall in Europa gültig.

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