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Von Integration. (Noch mal, weil es so schön ist.)

Im Schulalltag geht mir nach wie vor das Herz auf, wenn ich beobachte, wie unsere Schüler die Flüchtlingskinder integriert haben. Dass sie überhaupt Flüchtlingskinder sind, wird jetzt kaum mehr erwähnt – sie sind ja inzwischen seit mindestens einem halben Jahr, meist sogar ein paar Monate länger als das Mitglieder der Klassengemeinschaft, und wenn man 11 oder 12 Jahre alt ist, ist ein halbes Jahr gefühlt schon immer.

Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht davon, wie schnell Kinder Sprachen aufsaugen – obwohl sie alle schon ‚zu alt‘ dafür sind, dass sie Deutsch noch als weitere Muttersprache hätten erlernen können, ist das Tempo dank der Immersion unfassbar hoch. Junis spricht fließend und nahezu akzentfrei: „Deutsch ist gar nicht so schwer, Frau Studi, aber in Französisch bin ich schlecht, also ist Französisch schwerer.“ Das liegt daran, dass du den ganzen Tag mit Deutsch umgeben bist und Französisch nur über Instruktion im Schulunterricht lernst, denke ich, aber ich erfreue mich einfach daran, dass ihm Deutsch leichtfällt und lache. 

Tarek spricht auch ein ziemlich gutes Deutsch, aber er fragt noch häufig nach Vokabeln. Allerdings nicht bei der Lehrkraft, sondern bei seinen Mitschülern. „Was bedeutet umziehen? Ich kenne nur anziehen  und ausziehen, fragt er während seiner Deutsch-Hausaufgaben. Sahin lässt daraufhin seinen Stift fallen und demonstriert, wie er seine eigene Jacke aus- und die Jacke von Moritz anzieht. „Siehst du, wenn du etwas aus- und etwas anderes anziehst, dann ist das umziehen.“ – „Umziehen kann aber auch die Wohnung meinen“, wirft Manuela ein. „Wenn du zum Beispiel aus deiner Wohnung in [Stadtteil A] ausziehst und in einer Wohnung in [Stadtteil B] einziehst, dann wohnst du in [Stadtteil B]. Und dann bist du umgezogen.“ Sahin nickt eifrig: „Hast du noch andere Fragen?“ 
Im Laufe der Stunde werden noch die Bedeutungen von einschüchtern, futtern und erwidern erklärt, wobei die Erklärungs- und Demonstrationsversuche der Schüler teilweise ziemlich amüsant ausfallen. „Einschüchtern ist, wenn man jemanden einschüchtert“, sagt Tom. „Ganz toll, Tom, jetzt weiß er bestiiiimmt, was es ist“, sagt Danielle und sucht selbst nach einer Erklärung. „Äh Frau Studi, das ist jetzt aber wirklich gar nicht so einfach zu erklären!“

Solche Stunden, in denen die Schüler sich wie selbstverständlich gegenseitig helfen – und ganz nebenbei auch noch Wortschatzarbeit leisten, und zwar alle miteinander – sind wirklich ein Geschenk. 

Vokabellernmethoden…

Achja. Reizenderweise hat mich die Chefin überredet, trotz Praxissemester doch noch im Nachhilfe-Institut auszuhelfen. Und ich habe mich erweichen lassen – warum nochmal?! Achja, weil ich solche Äußerungen, die mich den letzten Nerv kosten, total vermisst habe.

Achte Klasse, Hauptschule, Englisch. Schülerin soll Vokabeln lernen. Tina sagt: „Aber auch die Sätze!“ Schülerin murrt. Schülerin sagt, dass sie nie die Sätze lernen muss. Reicht ja auch, wenn man völlig zusammenhangslos einzelne Wörter um sich werfen, diese aber nicht in einen Kontext einbinden kann. Und sowieso kommen in den blöden Sätzen eh immer 90% Wörter vor, die ja eben nicht gerade in den aktuellen Vokabeln sind. Woher soll man die denn dann bitteschön wissen!?

Die Schülerin lernt – mit Widerwllen – die Vokabeln. Die Sätze nicht.
Ich frage die Vokabeln ab, die Schülerin soll sie aber immer erst nennen, und dann noch aufschreiben. „Hä wie jetzt, aufschreiben?! Wieso AUFSCHREIBEN, vallah? Voll unfaiiir!“ – „Aber du musst die Vokabeln doch auch schreiben können. Was bringt dir das denn sonst im Test oder in der Arbeit, wenn du nur weißt, wie man sie ausspricht?!“ – „Schreibung is‘ meinem Lehrer eh voll egal! Der’s froh, wenn irgendjemand irgendwas weiß, was die richtige Vokabel is, so!“ […]
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Prägende Vorbilder und Faszination Sprache.

Nun, Bob Blume hat zu einer Blogparade zum Thema Lernlust aufgerufen, über die ich eine Weile nachgedacht und meine Schulzeit, aber auch mein Studium ein bisschen reflektiert habe. 

Was war es, das bei mir die Lernlust entfacht hat, das mich dazu gebracht hat, mich immer weiter mit einem Thema zu beschäftigen, bis ich es (zumindest ansatzweise) durchdrungen habe?
Die Antwort, die mir zuerst in den Sinn kam: Die Lehrperson, das Vorbild.

Meine größte Leidenschaft gilt den Sprachen, insbesondere der englischen. Und das ist schon sehr lange so, nämlich irgendwie schon seit ich mich zurückerinnern kann an die Anfänge des Fremdsprachenlernens, Klasse 5.
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Wieder selig…

… mit mir selbst, den Schülern, meiner Berufswahl und überhaupt. Vielleicht hat die Weihnachtszeit ja doch was Magisches an sich? 😉

Zu Beginn der Woche war ich, um ehrlich zu sein, total gefrustet. Nichts wollte klappen, und vor allen Dingen weiß ich nicht, was meine Klassen geritten hatte, aber sie waren alle geschlossen schrecklich nahezu unerträglich.

Ich habe schon öfter davon berichtet, wie schwierig es ist, wenn man keine richtige Handhabe hat, weil sämtliche legalen Sanktionsmaßnahmen den meisten Kindern schnurzpiepegal sind und man somit zwangsläufig die meisten Machtkämpfe verliert. Weiterlesen

Wowsa!

Ahhh, ich bin hin und weg. Und dafür, dass das hier so viele Menschen wie möglich sehen.
Ich bin so begeistert und gleichzeitig so gerührt von dieser absolut grandiosen Idee, Schüler und (einsame) Senioren, die mehrere tausend Kilometer entfernt leben, via moderner Technik zusammenzuführen, sodass beide Parteien davon profitieren. Das Video ist so toll, so gelungen und so süß, dass ich am Ende, als es diese vielen netten und liebevollen Worte gehagelt hat, nahe an den Tränen war. Hm. Vielleicht stimmt aber auch was mit dem Hormonhaushalt nicht (die vermeintlichen Zwillinge aus dem Beitrag von vor ein paar Wochen sind jedenfalls (hoffentlich!) nicht unterwegs ;))… Oder es ist einfach wirklich ganz doll toll und süß und herzergreifend und rührend und [beliebiges positives Adjektiv bitte hier einfügen].
Ich bin im Übrigen total Feuer und Flamme dafür, dass man das auch im deutschen Fremdsprachenunterricht einführen könnte… und das muss sich ja auch nicht auf Englisch beschränken. Abeerrrr klaro, der Orga-Aufwand wäre erst mal riesig und die technische Grundausstattung müsste auch gegeben sein. Aber das wäre doch mal einen Versuch wert!
Ich für meinen Teil gucke mir das Video jetzt jedenfalls zum 6. Mal an (und finde es immer noch großartig, hihi), versuche sämtliche Menschen dafür zu begeistern und gebe dann mal eine Suchanzeige auf. Vielleicht will ja irgendeine einsame englische/amerikanische Omi mit mir skypen… 😉