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Von Liebesbriefen

Also, langsam beginne ich, mich alt zu fühlen, wenn ich sage: Zu unserer Zeit war das irgendwie noch alles anders. In der sechsten Klasse fanden wir Jungs eklig, was auf Gegenseitigkeit beruhte, und es war schon eine Zumutung, neben einem Exemplar des anderen Geschlechts sitzen zu müssen.

Heute schreiben die Sechstklässler Liebesbriefchen. Und auch hier hat sich etwas Entscheidendes geändert: Während sowas bei uns – wenn überhaupt – klammheimlich geschah, wird das heute aus unerfindlichen Gründen vor der gesamten Klasse demonstriert. Warum? 

Erstens hätte ich mich – obgleich ich gestehen muss, niemals einen Willst du mit mir gehen? Brief geschrieben zu haben (hab‘ ich da was verpasst?) – in Grund und Boden geschämt, wenn das irgendwer mitbekommen hätte. Zweitens kann man dadurch als Lehrperson nicht mal so tun, als hätte man es nicht mitbekommen (Mensch!), weil sich die ganze Klasse darauf stürzt, wenn Vanessa demonstrativ zu Tom läuft und ihm feierlich den Brief überreicht. Nochmal: Warum?

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Shorty: Voll krass deprimierend.

Ich bin immer schockiert, was mit meinen kleinen 6ern passiert ist. Mit den putzigen kleinen Kindern, die zwar schon ein freches Mundwerk hatten, aber ja immer noch irgendwo süß waren.
Sie sind jetzt plötzlich (also gefühlt über Nacht!) in der 8. und die Pubertät hat voll zugeschlagen. Die Stimmen der Jungs sind um einiges tiefer, die Mädchen viel bunter geschminkt, und allgemein ist das einfach seltsam, dass die Kinder plötzlich keine richtigen Kinder mehr sind.

Dazu passt auch das hier:

„Salvatore, du sollst doch deine Hausaufgaben machen und nicht Hangman spielen… gegen dich selbst?! Warum überhaupt? Das ist doch total sinnlos und macht überhaupt keinen Spaß.“

„Ja, egal, weil ich eh alles alleine machen muss. *schmoll*“

„…wie zum Beispiel deine Hausaufgaben!“

„Nee ey echt nicht, ich hab‘ dafür jetzt am Wochenende eh uuuuunendlich viel Zeit. Und ich brauch‘ die Hausaufgaben für dieses Wochenende, ehrlich jetzt! Sonst dreh ich ja durch. Das wird voll krass deprimierend, wissen Sie.“

„…?“

„Ja wissen Sie, es ist doch halt Valentinstag. Und da bin ich halt ganz alleine… ich hab‘ halt kein Mädchen, und ich bin ja sogar schon 14 1/2! Voll krass deprimierend…“

Francesco, mein Held… oder so

In der Hausaufgabenhilfe, in der ich arbeite, befinden sich fast ausschließlich Schüler, die darum bemüht sind, ihren Hauptschulabschluss zu bekommen. Naja. In einigen Fällen sind wohl eher die Eltern darum bemüht, dass ihre Kinder den Hauptschulabschluss bekommen. Seufz.

Ali, Francesco, Giuseppe und Fatih bilden eine Vierergruppe. Die Jungs sind schon seit vielen Jahren in der Hausaufgabenhilfe und inzwischen alle sogar dabei, ihre mittlere Reife zu absolvieren. Sie strengen sich auch alle vier wirklich an und ich arbeite sehr, sehr gern mit ihnen. Alles liebe Kerle, die inzwischen begriffen haben, dass sie das alles nur für sich und für niemanden sonst auf der Welt machen.

Francesco ist der Beste unter den vier Jungs (oder allgemein unter allen Kids, die ich dort betreue). Er gibt sich unglaublich viel Mühe, macht seine Hausaufgaben von sich aus und ohne zu murren, fragt ständig dies und jenes nach und gibt stets sein Bestes. Kurzum: Er ist richtig motiviert, einen guten Abschluss hinzulegen. Und das liegt daran, dass Francesco Pläne hat. Er hat sich die letzen Jahre durch’s Schulsystem gekämpft, über die Hauptschule auf die Realschule, und jetzt plant er den Übergang ans Gymnasium. Ich hab‘ den Kleinen Großen richtig ins Herz geschlossen und unterstütze ihn und versuche ihm zu helfen, wo ich kann.

So kommt er beispielsweise immer zu mir, wenn er irgendwas für Englisch oder Deutsch gemacht hat, sodass ich es korrigieren kann oder, im Falle der Textproduktion, ihm Rückmeldung dazu gebe, wie gelungen ich seinen Text finde und was er besser machen könnte. Außerdem kam er letztens ganz schüchtern mit seinem Anmeldebogen für’s Gymnasium zu mir. Weiterlesen

So ein Sonntag, der ist lustig…

Letzten Sonntag beschlossen der Freund und ich, ältere Leute zu ärgern.

Ja, ok, halt – ganz genau so war das nicht.

Eigentlich hatten wir das nämlich nicht einfach so aus Langeweile beschlossen, weil wir ja eigentlich ganz friedliche und respektvolle junge Menschen sind (jaha, ehrlich jetzt! *Unschuldsblick aufsetz*).
Besagte Herrschaften hatten es mit ihrer Dreistigkeit aber einfach verdient. Jawoll. 

Ich schreite dann mal zur Erläuterung, damit jetzt nicht alle Welt denkt, wir seien irgendwelche unerzogenen Assis…:

Ob des schönen Wetters beschlossen der Freund und ich, einen Spaziergang zu machen. Und weil wir die Schwester und den Schwager auf diese Weise noch ein bisschen entlasten konnten, wurden die beiden Neffen direkt miteingepackt. Es ging selbstverständlich – wie könnte es anders sein – zum Spielplatz, um sich anschließend in einer Eisdiele zu erholen (spielen ist ja auch anstrengend! ;)). 

Wir spielten also so fröhlich vor uns hin, bis sich irgendwann dann doch das fortschreitende Alter die mangelnde Kondition bemerkbar machte und wir das mit dem Spielen dann doch eher den Kindern überließen, um uns zur bitter nötigen Verschnaufpause auf eine Bank fallen zu lassen. 

Alles hätte so schön sein können, und so idyllisch – bis plötzlich:
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