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Ein Gespräch über Schulsysteme.

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem meiner Dozenten über das deutsche Bildungssystem. Er, der selbst nicht unser System durchlaufen hat, sondern selbst in einem anderen europäischen Land aufgewachsen ist, ist ein starker Kritiker. 

Ich muss ehrlich sagen, dass ich finde, dass jedes System Vor- und Nachteile hat, und ich das deutsche System trotz offensichtlich existenter Mängel nicht für so furchtbar schlecht halte. Ich finde nicht, dass jeder Schüler denselben Bildungsabschluss, sprich Abitur, denn darauf würde es hinauslaufen, haben muss. Ich glaube nicht, dass jeder Abi und Studium braucht, und im Gegenzug denke ich, dass es viele angesehene Ausbildungsberufe gibt, was in anderen Ländern oftmals nicht der Fall ist. Wenn jeder erst mal aus Prinzip aufs College/in die Uni müsste, um gesellschaftlich zumindest halbwegs anerkannt zu werden, fände ich das gar nicht toll.
Dazu gebe ich offen zu: Ich persönlich hatte keine wirklichen Probleme mit unserem System, auch nicht mit dem, was von mir am Gymnasium gefordert wurde. Das heißt nicht, dass ich ein Universalgenie bin, aber dass ich alles machbar fand, um in jeder Klassenstufe jedes Fach zumindest zu bestehen (wenn auch nicht unbedingt glanzvoll – an dieser Stelle Grüße an meinen Physiklehrer und an das Mathe-Abitur). 

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Die zwei Seiten der Medaille… äh, des Schülers

Letztens war wieder einer dieser Tage, an denen man verschiedene Seiten an einem Schüler entdecken kann. So war ich zum Beispiel schwer beeindruckt von dem eigentlich dauerhaft verhaltensauffälligen, von keiner Lehrkraft richtig zu bändigenden, mit ADHS diagnostizierten Jungen, der mir vor ein paar Wochen so dermaßen den Rest gegeben hat, dass ich mir wirklich nicht mehr zu helfen wusste und mich das furchtbare Gefühl der Überforderung überkam, welches ich dann in den letzten Wochen erst mal wieder verdauen musste.

Es ist unsagbar schwierig, einen Schüler zu disziplinieren, dem sämtliche Disziplinarmaßnahmen sonst wo vorbeigehen. Der ungeachtet dessen, was man sagt, brüllt oder tut, durch den Raum springt, seine Mitschüler mit Papierkugeln abwirft und dabei äußerst laute Geräusche von sich gibt. Der einfach nur die Achseln zuckt und erklärt, dass er seine Tadel inzwischen schon zuhause in einem Album sammelt. Der einen mit einem provokanten Funkeln in den Augen angrinst und sagt: „Sie können natürlich schon versuchen, mich rauszuwerfen, aber ich gehe halt einfach nicht. Und ich weiß genau, dass Sie mich nicht berühren dürfen. Was wollen Sie denn dann machen, wenn ich einfach nicht gehe?“

Ja. Seufz. Nun ja. Gute Frage, was man da denn dann macht. (Tipps, anyone?!) In der Uni wird man jedenfalls keinen Millimeter auf solche Situationen vorbereitet, denn da wird generell immer und grundsätzlich davon ausgegangen, dass jedes Kind wohlerzogen, nett und lernwillig ist. Was den ein oder anderen Lehramtsstudenten hin und wieder dazu veranlasst, den Dozenten mal zu fragen, wann er denn zuletzt eine Schule von innen gesehen habe – aber das ist ein anderes Thema.
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