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Von Integration.

Seit wenigen Tagen haben wir jetzt auch Flüchtlingskinder an unserem Gymnasium. Zwei bis fünf pro Klasse in den Stufen 5 bis 10.

Die Deutschkenntnisse sind sehr unterschiedlich – meist gar nicht vorhanden, manchmal rudimentär. Mit Englisch sieht es schon besser aus, in den meisten Fällen jedenfalls. Einige können sich zumindest verständigen, andere haben ein weit höheres Niveau als die deutschen Schüler. Wenn alle Stricke reißen, können einige unserer Kids immerhin Türkisch – oder eben Arabisch. 

Glücklicherweise ist unser Gymnasium an Pluralismus, was Sprachen und Kulturen angeht, kaum zu überbieten. Fast in jeder Klasse haben wir mindestens ein deutsches Kind mit Arabisch als weiterer Muttersprache, mindestens ein Drittel pro Klasse ist türkisch-stämmig. 

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Shorty: Scio nescio.

„Can I ask it in German?“

„No, Manuel. Try English first!“

„…but… I caaaan’t…“

„Which word are you lacking? You can ask me for the word you need, and then you can ask the question in English…“

„… but… but I don’t know!“

„Which word do you need?“

„I don’t know!“

„Well, which German word is it that you don’t know in English?“

with a lot of despair in his voice:
„I DON’T KNOW WHAT WHICH WORD I DON’T KNOW!“

Von (kleinen und großen) Erfolgen.

Englischunterricht stört mich dann, wenn sich zu viel Deutsch darin findet.
Und so geht es mir über lange Zeit in meiner sechsten Klasse, in der mein Betreuungslehrer entweder selbst Vieles auf Deutsch sagt, oder einiges zweisprachig macht: Die Anweisung wird zuerst auf Englisch, dann auf Deutsch gegeben. Auch bei ganz gängigen Dingen, die im Schulkontext ständig vorkommen – Schlagt das Buch auf Seite 113 auf – einhundertdreizehn!, Schreibt das von der Tafel ab!, Versuch mal, das auf Englisch zu sagen!, Das hat Manuel vorhin schon gesagt! […] 

Ganz gerade heraus: Das verstehe ich nicht. Deutsch im Fremdsprachenunterricht ist für mich nur da sinnvoll, wo es um kompliziertere Sachverhalte/Erklärungen geht, wie jetzt z.B. ein neues grammatikalisches Phänomen, bei dem man sicherstellen muss, dass das auch wirklich der letzte Schluri kapiert. Aber Sätze, die immer und immer wieder fallen, und die für eine sechste Klasse nicht unsagbar kompliziert sind – die muss man nicht auf Deutsch sagen. Außerdem kann man so viel über Gestik und/oder Zeichnungen machen, oder Dinge so einfach erklären, dass die Kinder das auch in der Fremdsprache verstehen – zumindest, wenn sie schon in der Grundschule Englisch hatten und auch am Gymnasium schon ein „intensives“ (5 Stunden pro Woche) Lernjahr hinter sich haben.  Weiterlesen

Vokabellernmethoden…

Achja. Reizenderweise hat mich die Chefin überredet, trotz Praxissemester doch noch im Nachhilfe-Institut auszuhelfen. Und ich habe mich erweichen lassen – warum nochmal?! Achja, weil ich solche Äußerungen, die mich den letzten Nerv kosten, total vermisst habe.

Achte Klasse, Hauptschule, Englisch. Schülerin soll Vokabeln lernen. Tina sagt: „Aber auch die Sätze!“ Schülerin murrt. Schülerin sagt, dass sie nie die Sätze lernen muss. Reicht ja auch, wenn man völlig zusammenhangslos einzelne Wörter um sich werfen, diese aber nicht in einen Kontext einbinden kann. Und sowieso kommen in den blöden Sätzen eh immer 90% Wörter vor, die ja eben nicht gerade in den aktuellen Vokabeln sind. Woher soll man die denn dann bitteschön wissen!?

Die Schülerin lernt – mit Widerwllen – die Vokabeln. Die Sätze nicht.
Ich frage die Vokabeln ab, die Schülerin soll sie aber immer erst nennen, und dann noch aufschreiben. „Hä wie jetzt, aufschreiben?! Wieso AUFSCHREIBEN, vallah? Voll unfaiiir!“ – „Aber du musst die Vokabeln doch auch schreiben können. Was bringt dir das denn sonst im Test oder in der Arbeit, wenn du nur weißt, wie man sie ausspricht?!“ – „Schreibung is‘ meinem Lehrer eh voll egal! Der’s froh, wenn irgendjemand irgendwas weiß, was die richtige Vokabel is, so!“ […]
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Shorty: Giannis Vorlieben

Ja, auch Gianni gibt es noch! Mein Oberstufen-Nachhilfeschüler, der sich mit der deutschen (und öfter mal auch mit der englischen) Sprache ziemlich schwer tut…

Letztens sollte er einen Text über Integration – in dem Fall seine eigene – auf Englisch verfassen. Seine „Contra“-Aspekte fand ich zwar nicht so richtig contra (mal ehrlich, wer zieht deutsches Essen italienischem vor?! Hö?!), aber gut.

Gianni murmelt beim Schreiben vor sich her: „…but I really love Italian kitchen.“

„Italian cuisine“, korrigiere ich etwas abwesend. Ich schaue mir gerade an, was er bisher so in Deutsch gemacht hat. Gianni nickt und schreibt weiter.

Als ich später über den Text drüberlese, mache ich drei Kreuze, denn sonst hätte die Lehrerin sich sicherlich über diese kleine Zweideutigkeit gewundert. 

„I feel integrated in most aspects of life“, schreibt Gianni, but I really love Italian cousine.“

Wowsa!

Ahhh, ich bin hin und weg. Und dafür, dass das hier so viele Menschen wie möglich sehen.
Ich bin so begeistert und gleichzeitig so gerührt von dieser absolut grandiosen Idee, Schüler und (einsame) Senioren, die mehrere tausend Kilometer entfernt leben, via moderner Technik zusammenzuführen, sodass beide Parteien davon profitieren. Das Video ist so toll, so gelungen und so süß, dass ich am Ende, als es diese vielen netten und liebevollen Worte gehagelt hat, nahe an den Tränen war. Hm. Vielleicht stimmt aber auch was mit dem Hormonhaushalt nicht (die vermeintlichen Zwillinge aus dem Beitrag von vor ein paar Wochen sind jedenfalls (hoffentlich!) nicht unterwegs ;))… Oder es ist einfach wirklich ganz doll toll und süß und herzergreifend und rührend und [beliebiges positives Adjektiv bitte hier einfügen].
Ich bin im Übrigen total Feuer und Flamme dafür, dass man das auch im deutschen Fremdsprachenunterricht einführen könnte… und das muss sich ja auch nicht auf Englisch beschränken. Abeerrrr klaro, der Orga-Aufwand wäre erst mal riesig und die technische Grundausstattung müsste auch gegeben sein. Aber das wäre doch mal einen Versuch wert!
Ich für meinen Teil gucke mir das Video jetzt jedenfalls zum 6. Mal an (und finde es immer noch großartig, hihi), versuche sämtliche Menschen dafür zu begeistern und gebe dann mal eine Suchanzeige auf. Vielleicht will ja irgendeine einsame englische/amerikanische Omi mit mir skypen… 😉