Schlagwort-Archive: Bildung

Von „sehr neu[en] und mit Sicherheit auch sehr, sehr gut[en] [Konzepten]“*

Schon seit längerer Zeit, aber besonders intensiv seit gestern wird in so manchen Referendar-Runden und Lehrerzimmern die Idee diskutiert, Gymnasiallehrer in die Grundschulen zu schicken, um den Lehrermangel in der Primarstufe mit potentiellen Arbeitslosen in den Sekundarstufen zu kompensieren. 

„Sehr, sehr gut“ findet das in meinem Umfeld niemand. Die Kultusministerin aber schon.
Gestern gab es nicht nur ein Radiointerview dazu, sondern auch noch ein schickes offizielles Schreiben, das sich an die (künftigen) Gymnasiallehrer unseres Bundesland richtete. (Dieses ist über Google übrigens recht leicht zu finden, verlinken möchte ich das unsägliche Ding höchst ungern.)

Das Schreiben beginnt so schön erbaulich mit einem Absatz zu über 2.000 Bewerberinnen und Bewerbern, die am Gymnasium vor allem mit den Fächern Deutsch, Englisch (*meld*), Geschichte und Spanisch keine Stelle erhalten haben – eine Situation, die sich „in der Einstellungsrunde 2018 weiter verschärfen [wird]“. 

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Das Referendariat: Baden-Württemberg (GYM)

Da Lotta die Idee hatte, eine Übersicht über den bildungsföderalistischen Dschungel zu erstellen, was das Referendariat angeht, schreibe ich hier meinen Gastbeitrag über das Ref in Baden-Württemberg (oh the joy).

Wer sich durchquälen möchte, darf gerne weiterlesen. 😉

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Reform der Reform zur Prä-Reformzeit

Neulich habe ich mich über diesen Beitrag amüsiert. Baden-Württemberg möchte also zurück zu den Leistungsfächern, was ich wirklich nur begrüßen kann – dieser seltsame Mischmasch von vierstündigen Kursen, die irgendwo zwischen dem, was ich als Grundkurs und dem, was ich als Leistungskurs verstehe, schweben, ergibt für mich wirklich nicht viel Sinn.
Amüsant fand ich, dass ich aus einem Bundesland komme, in dem es drei „Intensivkurse“ à fünf Wochenstunden gibt, was an meiner baden-württembergischen Uni immer eher belächelt wurde, obwohl ich das System wirklich sinnvoll finde (…und mich dieses System, mal ganz am Rande, hervorragend auf das Studium vorbereitet hat!). Und siehe da, plötzlich gilt das als „neues Konzept“, nun denn. 

Ich bin gespannt auf Ende Juni, da soll der Vorschlag angeblich stehen. Nach all den Reformen klingt das doch ein bisschen nach back to the roots – die CDU BaWü spricht wieder von Leistungsfächern; an einer Schule, die sowohl G8 als auch G9 anbietet, gab es neulich ~180 Anmeldungen für G9 und noch ganze fünf für G8. Vielleicht kommt hier auch irgendwann der Vorschlag um G8 1/2 auf und alle sind ganz aus dem Häuschen? 😉

Es bleibt spannend. 

Ein Gespräch über Schulsysteme.

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem meiner Dozenten über das deutsche Bildungssystem. Er, der selbst nicht unser System durchlaufen hat, sondern selbst in einem anderen europäischen Land aufgewachsen ist, ist ein starker Kritiker. 

Ich muss ehrlich sagen, dass ich finde, dass jedes System Vor- und Nachteile hat, und ich das deutsche System trotz offensichtlich existenter Mängel nicht für so furchtbar schlecht halte. Ich finde nicht, dass jeder Schüler denselben Bildungsabschluss, sprich Abitur, denn darauf würde es hinauslaufen, haben muss. Ich glaube nicht, dass jeder Abi und Studium braucht, und im Gegenzug denke ich, dass es viele angesehene Ausbildungsberufe gibt, was in anderen Ländern oftmals nicht der Fall ist. Wenn jeder erst mal aus Prinzip aufs College/in die Uni müsste, um gesellschaftlich zumindest halbwegs anerkannt zu werden, fände ich das gar nicht toll.
Dazu gebe ich offen zu: Ich persönlich hatte keine wirklichen Probleme mit unserem System, auch nicht mit dem, was von mir am Gymnasium gefordert wurde. Das heißt nicht, dass ich ein Universalgenie bin, aber dass ich alles machbar fand, um in jeder Klassenstufe jedes Fach zumindest zu bestehen (wenn auch nicht unbedingt glanzvoll – an dieser Stelle Grüße an meinen Physiklehrer und an das Mathe-Abitur). 

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Von den Tücken des Staatsexamens.

An meiner Uni gibt es noch einen aussterbenden Studienabschluss, zumindest, was das Lehramt anbelangt. Die Juristen und Mediziner dürfen es vermutlich noch eine Weile behalten, fürs Lehramt sind die Zeiten bald vorbei. Ich studiere aber schon so lange bin aber noch früh genug in der Uni gelandet, um es noch machen zu dürfen: Das gute alte Staatsexamen.

Naja. So ganz stimmt das nicht. Es ist nicht mehr das gute alte Staatsexamen, bei dem man noch Examensklausuren schrieb und die Noten aus der Scheine-Sammlerei-Zeit nicht zählten. Wir sind reformiert, modularisiert – bei uns zählt alles, es gibt keine Sitzscheine, und das Examen wird hochkomplex berechnet (vereinfacht gesagt: alles, was man so zusammenstudiert, ganz knappe 50%, die Zulassungsarbeit knappe 10%, die mündlichen Abschlussprüfungen in etwa 30%, und das ganze Begleitstudiumsgedöns die letzten 10%). Das hat Vor- und Nachteile. Meiner Meinung nach überwiegen erstere – ich bin froh, dass am Ende nicht alles auf ein paar Tage ankommt und ich fünf Jahre in die Tonne treten kann. Es gibt aber auch Leute, die das anders sehen.

Nun. Und dann gibt es mit diesem schnieken, traditionellen Abschluss noch an die 5000 (Hyperbel) Problemchen, die einem das Leben unnötig schwer machen.
Weil ich Studentin bin, muss ich mich selbstredend darüber aufregen – und mal erklären, wieso es so schwer ist, die Frage(n) „Und wie lange studiert man da so?/Wie lange studierst du noch?“ zu beantworten. Andere arme Säue Menschen, die das liebreizende modularisierte Staatsexamen auch machen dürfen müssen, finden das vielleicht interessant. Master-Absolventen freuen sich vielleicht. Und allen anderen ist es wohl herzlich wurschd, deshalb hier der Cut. 😉 

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Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Eigentlich wollte ich dazu ja gar nichts auf meinem Blog schreiben.

Nicht wollen, das kam so ein bisschen auch von nicht können. Jedenfalls konnte ich in den letzten 2,5 Tagen wahrlich nichts dahingehend zu Papier bringen. Und nun gibt es auch noch Anlässe zum Aufregen. Wie schrecklich im Allgemeinen und respektlos den Opfern gegenüber mir das erscheint, spielt dabei sicherlich eine große Rolle.

Zunächt einmal: Am Wochenende habe ich mich gefragt, was ich dazu hätte sagen sollen. Es kam mir so vor, als würde ja schon überall alles gesagt werden, was gesagt werden muss. Nous sommes unis, je suis Paris, ja, das alles, sicherlich. (Pray for Paris vielleicht nicht, denn damit kann ich persönlich nicht viel anfangen.) Auch, wenn mein eigenes Profil aus Respekt vor den anderen Nationen, die ähnlich Schreckliches durchmachen, nicht in den Farben der Tricolore erscheint, hat es mich unfassbar bewegt, wie die Welt plötzlich blau-weiß-rot wurde – auch die Wahrzeichen unserer nicht allzu großen Stadt. Aber all das bloggen und so stehen lassen? Naja, danach war mir ehrlich gesagt nicht zumute.

Zur Vorbemerkung:
Ich ordne die Geschehnisse sowie die Gedanken/Emotionen dazu hier chronologisch an. Hinaus will ich letztlich vor allem auf das, was unter „Sonntagabend“ und „Montag“ fällt. Aber nachdem ich einmal angefangen hatte, konnte ich mich auch nicht zurückhalten, auch den Rest meines Wochenendes etwas zu beschreiben…

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Von (kleinen und großen) Erfolgen.

Englischunterricht stört mich dann, wenn sich zu viel Deutsch darin findet.
Und so geht es mir über lange Zeit in meiner sechsten Klasse, in der mein Betreuungslehrer entweder selbst Vieles auf Deutsch sagt, oder einiges zweisprachig macht: Die Anweisung wird zuerst auf Englisch, dann auf Deutsch gegeben. Auch bei ganz gängigen Dingen, die im Schulkontext ständig vorkommen – Schlagt das Buch auf Seite 113 auf – einhundertdreizehn!, Schreibt das von der Tafel ab!, Versuch mal, das auf Englisch zu sagen!, Das hat Manuel vorhin schon gesagt! […] 

Ganz gerade heraus: Das verstehe ich nicht. Deutsch im Fremdsprachenunterricht ist für mich nur da sinnvoll, wo es um kompliziertere Sachverhalte/Erklärungen geht, wie jetzt z.B. ein neues grammatikalisches Phänomen, bei dem man sicherstellen muss, dass das auch wirklich der letzte Schluri kapiert. Aber Sätze, die immer und immer wieder fallen, und die für eine sechste Klasse nicht unsagbar kompliziert sind – die muss man nicht auf Deutsch sagen. Außerdem kann man so viel über Gestik und/oder Zeichnungen machen, oder Dinge so einfach erklären, dass die Kinder das auch in der Fremdsprache verstehen – zumindest, wenn sie schon in der Grundschule Englisch hatten und auch am Gymnasium schon ein „intensives“ (5 Stunden pro Woche) Lernjahr hinter sich haben.  Weiterlesen