Referendariat: Überlebensstrategien

Spätestens jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich versuche, mich mental auf dieses gelbgrünlilane Monster namens Ref vorzubereiten.
Gleich vorweg: Nein, ich habe nicht wirklich viel Positives dazu gehört, was mir schon länger Sorgen bereitet, und Bob Blume mit seiner Blogparade #refisbelike jetzt glücklicherweise zu ändern versucht.  Aber nein, ich glaube nicht, dass ich mich grundsätzlich nur mit negativen oder gänzlich ungeeigneten Menschen umgebe. Ich finde es auch nicht grundsätzlich schlimm, dass mir „viel Angst gemacht“ wurde, weil es mir lieber ist, wenn Leute ehrlich sind, als einem Friede-Freude-Eierkuchen vorzugaukeln. Hier also Beispiele, weshalb ich jetzt – theatralisch wie immer – „Überlebensstrategien“, die dann weiter unten folgen werden, zu entwickeln versuche:

  • Allen voran meine Schwester, die selbst Lehrerin ist und inzwischen sogar auch Referendare ausbildet. Sie fand ihr eigenes Ref auch nicht so lustig, scheint aber gar nicht so verkehrt im Job zu sein, wenn sie jetzt am Seminar arbeiten darf. „Mach dir nix vor, das wird ziemlich scheiße.“ Nicht ermunternd, aber trocken und ehrlich, wie sie eben ist. „Aber du kommst da irgendwie durch, und zwar mithilfe deiner Schüler, Freunde und Ausgleich/Sport.“ (Merke: Drei „Überlebensstrategien“ bereits gefunden!)
  • Mein (jetzt ehemaliger) Chef, damit ebenfalls gestandener Lehrer. „Ja, also, wenn ich so drüber nachdenke: Ref war schon die schlimmste Zeit meines Lebens. Die Sache ist halt, du kannst merken, dass der Job dir liegt und dennoch immer nur destruktive Kritik kriegen, die deine Person angreift und nicht deine Arbeit, das fand ich am schlimmsten. Da hilft nur das dicke Fell.“
  • Die Frau, die mir die Leidenschaft zu Englisch vermittelt hat und letztlich auch dafür verantwortlich ist, dass ich Lehrerin werden wollte. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie wenig ich davon halte. Meins war furchtbar und ich würde mit meinem Unterricht, den du gut fandest und in dem du was gelernt hast, durch jedes Ref fallen, das sage ich jedem Referendar: ‚Von mir können Sie nix lernen.‘ Ich habe damals im Ref meine Tochter bekommen und bin direkt nach dem Mutterschutz zurück an die Schule, einfach nur weil ich wusste, wenn ich jetzt nicht schleunigst diesen Kram zu Ende bringe, tu ich mir das nie mehr im Leben an.“ Da ihr daran liegt, hat auch sie ein paar eiserne Tipps gegeben, wie ich diese Zeit „irgendwie überstehen – und ja, überstehen ist das einzig adäquate Verb“ kann.
  • Viele liebe Blogger (s.o., unter anderem) und auch Menschen in meinem Umfeld, die es leider nicht erfolgreich zu Ende gebracht haben, sondern gegangen wurden oder freiwillig gegangen sind. Und auch hier: Nein, ich bezweifle, dass die allesamt einfach nur grundunfähig waren! Und ja, natürlich ist auch mir bewusst, dass es durchaus auch wirklich ungeeignete Leute für den Beruf gibt, die es trifft. Das bestätigt auch meine Schwester, klar, aber deshalb trifft das noch längst nicht auf alle zu, denen es so ergeht.
  • Die Refis in meinem Praxissemester, die wirklich toughe Persönlichkeiten und keine zarten Pflänzchen waren, bei denen ich ebenfalls hospitiert habe und die ich keineswegs als katastrophal empfunden habe (aber was weiß ich schon), die mir damals gesagt haben: „Täusch dich nicht, wir haben hier regelmäßig Heulanfälle und nachmittägliche Zusammenbrüche, wir werden nur immer wieder von unseren Partnern aufgebaut, damit wir am nächsten Tag überhaupt noch in der Schule erscheinen.“ 


Uff. Ja, es scheint alles andere als rosig zu sein, und ich bin einfach kein geborener Optimist, sondern Realist – wenn ich mich auf sowas einlasse (man überlegt dann schon zwei- oder auch dreimal, da bin ich ehrlich), dann wenigstens nicht mit rosaroter Brille. Hier jetzt also ein paar Strategien, die ich mir zurechtlege, teilweise Tipps und teilweise meinem eigenen Kopf entnommen:

  • Lieblingsbüchlein: In einem Heft/Büchlein alle positiven Kommentare/Feedback sammeln, die/das ich erhalte. Möge es noch so eine kleine Bemerkung sein und egal von wem: Aufschreiben, sammeln, immer wieder durchlesen, wenn ich kurz vorm Durchdrehen bin. Ja, ich bin noch so naiv optimistisch, dass es auch Positives zu hören geben wird! Ich suche demnächst die Evaluationen und Feedbackbögen aus meinem Praxissemester zusammen und schaue mir auch das nochmal an.
  • Austausch. Einzelkämpfertum gibt es in diesem Beruf genug zu viel. Materialien, Ideen, aber eben auch (negative) Erfahrungen austauschen kann nur positiv sein – alle ersparen sich damit ein Quäntchen Arbeit und merken hoffentlich, dass sie nicht alleine sind mit dem Kram.
  • Schüler. Da ich schon ein paar Jahre Erfahrung mit Schülern habe, weiß ich, dass ich meistens ganz gut mit ihnen kann und sie einem immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können, das einem signalisiert: Ja, das hier ist es wert. Ich mache mir keine Sorgen darum, mit den Schülern zurechtzukommen – und eigentlich sollte es doch auch um diese gehen.
  • Soziale Kontakte. Das Ref wird sicher stressig und zeitraubend ohne Ende, aber wenn man versucht, auch mal abzuschalten und seine sozialen Kontakte zu pflegen, sich von quality time mit guten Freunden, die vielleicht auch einfach mal gar nichts mit Schule am Hut haben, wieder aufbauen lässt, sieht die Welt (hoffentlich) gleich wieder ganz anders aus.
  • Sport. Mein Ausgleich #1, um den Kopf freizubekommen. Auch hierfür muss irgendwo Zeit gefunden werden (ich sehe schon, 24 Stunden am Tag werden ganz schön knapp werden…).
  • Abhaken. Ich bin leider ein Kandidat, der prädestiniert dafür ist, Dinge noch ewig mit sich rumzutragen, umzuwälzen und nicht ruhen lassen zu können. Ich nehme mir also vor, Dinge, die ich eh nicht (mehr) ändern kann, einfach mal auf die Was soll’s-Liste zu schreiben.
  • Das berühmte dicke Fell. Auch das ist etwas, was nicht gerade zu meinem Stärken zählt – ich nehme mir Vieles zu Herzen und das ist leider etwas, was man in solch einem System nicht wirklich gebrauchen kann. Ich arbeite also dran, mein positives Selbstbild zu behalten, komme, was da wolle. Wie meine Englischlehrerin sagte: „Versuch einfach, es nicht in dein Innerstes vordringen zu lassen.“ Mhz, ja, we’ll see…
  • Positive Vibes. Nee, ich bin wie gesagt nicht der Typ dazu, der mega optimistisch an Dinge rangeht, schon gar nicht an solche, über die man so viel Vernichtendes gehört hat. Ich weiß, positive Grundeinstellung und so, ist leider nicht so ganz drin. Aaaber ich habe ja schon vor ein paar Jahren mal versucht, auch positive Ref-Erfahrungen mitgeteilt zu bekommen, was jetzt auch Bob Blume in einer Blogparade (#refisbelike) zusammenzutragen versucht. Da seine Reichweite eindeutig meilenweit meiner überlegen ist, hoffe ich, dass sich daran ein paar Leute beteiligen werden – es kann nur gut sein, auch mal was Positives zu lesen! 

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Bring it on.

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3 Gedanken zu „Referendariat: Überlebensstrategien

  1. Pingback: BLOGPARADE: Ein wunderbarer Moment im Referendariat #refisbelike | Bob Blume

  2. stefanini

    Ehrlich gesagt, liegt es allein an deiner Einstellung zum Ref und zu Noten und den Ausbildern, wie es werden wird. Ich war 29, als ich es begonnen habe, und hatte eine tolle Zeit. Diese ganze Psychoscheiße habe ich nicht ernst genommen, den besten Noten bin ich nicht hinterhergelaufen und über einige Ausbilder habe ich nur geschmunzelt. Du brauchst einen gewissen Abstand zum ganzen. Den hatte ich vielleicht auch dadurch, dass ich schon ganz andere Dinge geschafft hatte. Tatsächlich war für mich die größte Herausforderung, der Umgang mit den Schülern, da ich noch nie unterrichtet hatte. Aber sobald ich ihre positive Rückmeldungen erhielt, war alles andere sowieso nebensächlich.
    Verstehe die Prüfungsstunden als Show und mach dir keinenwahnsinnigenKopf drum. Sie werden nach Gutdünken und individuellen Präferenzen bewertet …

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Da ist mit Sicherheit etwas dran. 29, ja, ich sage ja, ich fühle mich unsagbar jung, meine Mitrefis sind auch alle zwischen 28 und öhm, 35+… 😉
      Ja, ich bin eben leider ein ziemlich perfektionistisch veranlagter Mensch, und bemühe mich jetzt schon seit ein paar Monaten um eine gelassenere Einstellung zum Ref, weil ich weiß, dass ich da wahrscheinlich nicht mehr allzu gute Noten sammeln werde bzw. dass da, wie du sagst, Gutdünken und individuelle Präferenzen am Werk sind, die man eh nur zu einem bestimmten Grad beeinflussen kann. Aber es fällt mir nicht leicht, das muss ich schon sagen. Hauptsache irgendwie durch lautet die Devise…

      Antwort

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