Reform der Reform zur Prä-Reformzeit

Neulich habe ich mich über diesen Beitrag amüsiert. Baden-Württemberg möchte also zurück zu den Leistungsfächern, was ich wirklich nur begrüßen kann – dieser seltsame Mischmasch von vierstündigen Kursen, die irgendwo zwischen dem, was ich als Grundkurs und dem, was ich als Leistungskurs verstehe, schweben, ergibt für mich wirklich nicht viel Sinn.
Amüsant fand ich, dass ich aus einem Bundesland komme, in dem es drei „Intensivkurse“ à fünf Wochenstunden gibt, was an meiner baden-württembergischen Uni immer eher belächelt wurde, obwohl ich das System wirklich sinnvoll finde (…und mich dieses System, mal ganz am Rande, hervorragend auf das Studium vorbereitet hat!). Und siehe da, plötzlich gilt das als „neues Konzept“, nun denn. 

Ich bin gespannt auf Ende Juni, da soll der Vorschlag angeblich stehen. Nach all den Reformen klingt das doch ein bisschen nach back to the roots – die CDU BaWü spricht wieder von Leistungsfächern; an einer Schule, die sowohl G8 als auch G9 anbietet, gab es neulich ~180 Anmeldungen für G9 und noch ganze fünf für G8. Vielleicht kommt hier auch irgendwann der Vorschlag um G8 1/2 auf und alle sind ganz aus dem Häuschen? 😉

Es bleibt spannend. 

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5 Gedanken zu „Reform der Reform zur Prä-Reformzeit

  1. pimalrquadrat

    Hab ich neulich auch mitbekommen. Und mich gefragt, was das eigentlich soll, von fünf auf drei runterzuschrauben? Ist dann der Rest ausschließlich zweistündig? Und inwiefern hat man dann die Wahl? Sport, Kunst und Reli als Leistungskurse, und damit das 1,0er-Abi und das Medizinstudium gesichert?
    Ach, Bildungspolitik ist doch fürn A….

    Davon abgesehen hat es natürlich absolut rein gar nichts mit der fehlenden Hochschulreife zu tun, dass alles, was bei drei nicht auf den Bäumen sitzt, nach der Grundschule aufs Gymnasium wechselt. Natürlich nicht…

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Na na, „runterschrauben“ würde ich das nicht nennen. Es ist eine andere Art von Ausrichtung, die sich zwar auf weniger Fächer konzentriert, aber deshalb nicht das Niveau in den Keller fährt. Die vierstündigen Kurse liegen nach dem, was ich gesehen habe, irgendwo zwischen GK und LK – fünfstündige LKs würde vermutlich also schon das Niveau in den individuellen Kursen wieder ein bisschen heben, dafür ist man auf drei Kurse fokussiert statt auf fünf. Ich halte das für gut, weil ich das selbst auch so hatte uns das optimal fand – und jetzt nicht den Eindruck habe, dass mir unglaublich viel Bildung abgegangen ist, nur weil ich nicht 5 Kurse à 5 Stunden hatte. Dazu kommen natürlich Einschränkungen. Ich glaube nicht, dass man Sport, Kunst und Reli wählen können wird. In unserem System musst du mit den LKs 2 der 3 Bereiche (Mathe/Nawis, Sprachen, Gemeinschaftskunde) abdecken, der dritte Bereich läuft dann übers mündliche Abi (so er nicht in den LKs abgedeckt wurde – du kannst natürlich auch Mathe, Deutsch, Geschichte wählen; dann hast du alle Bereiche mit den LKs abgedeckt). Wie du weißt, hatte ich trotz meiner 3 LKs auch nicht gerade Sport, Kunst und Reli (zumal mein Abi dann auch unterirdisch ausgefallen wäre, weil ich die ersteren beiden nicht kann) und das ist auch gar nicht möglich. Ich nehme an, wenn BaWü tatsächlich in diese Richtung umstellt, dann wird es ähnliche Vorgaben geben. Sport LK ist in RLP übrigens an die Bedingung Mathe/Naturwissenschaft und Sprache als weitere LKs gebunden, und ganz nebenbei haben die Sportler 7 Stunden LK die Woche, 4 Praxis und 3 Theorie. 😉
      Die restlichen Fächer sind bei uns auch nicht zwei-, sondern dreistündig. Deshalb sage ich ja, die vierstündigen Kurse liegen genau zwischen diesen beiden Konzepten, eben eine mehr als das, was bei uns GK ist und eine weniger als der LK. Die Stunden müssen dann ja umverteilt werden, sonst müssten ja mehr Fächer eingeführt werden, um die Wochenzahl zu füllen. Ich gehe daher davon aus, sollten die 3 à 5h LKs kommen, werden die Grundkurse auch auf drei Stunden angehoben.
      Mal sehen, wie das Konzept letztlich aussehen wird, das hat ja noch ein bisschen Zeit. Prinzipiell finde ich die Tendenz aber gut, ich bin eben ein großer Verfechter von Systemen mit anständigen Leistungskursen. 😛 Und fünf ‚Schwerpunktfächer‘ müssen es auch einfach nicht sein.

      Der Wegfall der bindenden Grundschulempfehlung ist hier tatsächlich kein Argument. Meines Wissens ist die Empfehlung in BaWü erst 2012 gefallen, die Abiturienten der letzten Jahre sind ja alles noch Leute mit Gymnasialempfehlung und auf die bezieht sich die Aussage ja. Die ersten Schüler, die ohne Gymnasialempfehlung auf einem Gymnasium in BaWü gelandet sind, dürften jetzt gerade mal in Klasse 10 sein.

      Antwort
      1. pimalrquadrat

        Ganz ehrlich? So optimistisch bin ich nicht (mehr). Nach dem, was ich in der Zeitung gelesen habe, läuft es auf drei fünfstündige Kurse hinaus, zudem sollen Deutsch, Mathe, Fremdsprache, Natruwissenschaft dreistündig sein, alles andere bleibt zweistündig. Für letztere Fächer stellt sich also keine Veränderung ein, in Deutsch und Mathe (machen wir uns nichts vor, 90% der Schüler werden Mathe dreistündig wählen) sinkt das Niveau, und wer keine Fremdsprache fünfstündig will, der hat auch weniger zu tun als jetzt.
        Witzigerweise wurde in dem Artikel dieses neue System als toll beworben, weil man so auch Mathe, Physik und Chemie als Schwerpunkte wählen könne. Witz an der Sache? Die hatte ich zu meiner Zeit alle drei vierstündig, das ging also auch im alten System…

        Im System aus deiner Heimat bin ich nicht soo fit, und ich weiß sehr wohl, wie gut du bist. 😉
        Aber da spielt vielleicht auch 12,5 Jahre eine Rolle, ebenso wie auf diese Zeit und dieses System ausgerichtete Lehrinhalte? In BaWü war in Folge von G8 häufig eins zu bemerken, nämlich das Streichen von Inhalten. Weshalb ich das jetzt auch erwarte.
        Ehrlich gesagt hoffe ich auf Einschränkungen, was die fünfstündigen Kurse betrifft, glaube aber nicht so daran. Einem Artikel auf der Onlinepräsenz der Stuttgarter Zeitung zufolge sollen die fünfstündigen Kurse im Abitur geprüft werden, zudem auch zwei von drei aus Deutsch, Mathe, Fremdsprache. Das klingt für mich nicht danach, als ob Sport, Kunst und Reli unmöglich wäre, weil Deutsch und Fremdsprache (ich wette mit dir, dass die Schüler bei der Möglichkeit, auf Mathe zu verzichten, diese nutzen werden) sowieso geprüft werden… Aber gut, vielleicht werden wir üerrascht, und bei obiger Konstellation müsste dann Mathe dreistündig im Abi sein?
        Zudem ist die Rede davon, dass nicht mehr Stoff behandelt werden wird, sondern nur vertieft. Heißt für mich, mehr Zeit für Übungen, weshalb ich von „Leistung“ nichts erkennen kann. 😉

        Was die Übertrittsquoten betrifft, in den Schuljahren 08/09 und 09/10 lag sie in BaWü zum ersten Mal bei rund 40%, 04/05 waren es 35%, und zu meiner Zeit waren es noch um die 32%. Das ist definitiv ein signifikanter Anstieg schon vor dem Wegfall der Grundschulempfehlung, und das ist der Jahrgang, der momentan Abi macht bzw. das letztes Jahr machte und nun ein Jahr studiert. 😉
        Natürlich werden davon die meisten eine Gymnasialempfehlung haben (wobei ich da auf die Schnelle keine Zahlen hab), aber es ist durchaus plausibel, dass auch einfach die Anforderungen an manchen Grundschulen deutlich sinken, was einen Übertritt betrifft.

      2. tinatainmentia Autor

        Aber wenn die anderen Kurse zweistündig bleiben, könnte man doch nicht die Stundentafel füllen? Gibt es nicht eine Vorgabe, dass die gymnasiale Oberstufe bundesweit mindestens 32 Wochenstunden abdecken muss oder so? Das käme dann ja nicht mehr hin oO
        Das einzige, was bei mir auf zweistündig runtergeschraubt wurde, war Latein, und das lag daran, dass wir nur noch sieben Schüler in 12 und 13 waren, da wurden uns weniger Stunden bewilligt. Ansonsten waren alle Grundkurse dreistündig – übrigens hatte ich auch Mathe dreistündig 😉 und so weit bleibt das unter dem Niveau des vierstündigen Kurses nicht zurück; dafür ist der LK mit fünf Stunden eine Ecke anspruchsvoller, das haben mir einige Mathelehrer bestätigt. Ich finde es nicht dramatisch, die Leute weder zum Mathe, noch zum Deutsch LK zu zwingen, aber die Bereiche an sich sollten wie gesagt schon abgedeckt werden. Wenn man nicht zumindest zwei der drei Bereiche über die LKs abdecken muss, finde ich das auch falsch. Im Abi sollten Deutsch und Mathe beide gemacht werden, aber deshalb muss man sie nicht zwanghaft zu fünfstündigen LKs erklären, da finde ich ein bisschen mehr Wahlfreiheit wirklich nicht verkehrt.
        90% waren es bei uns übrigens sicherlich nicht, die Mathe dreistündig gewählt haben – es gab 2 Leistungskurse und 3 Grundkurse in meiner Stufe, das war also eher 40/60. 😉 Dasselbe galt für Deutsch und Englisch.
        Wie gesagt, alles aus einem Bereich wählen zu können (und das wäre sowohl eine Kombi wie Mathe/Physik/Chemie als auch Deutsch/Englisch/Franz), halte ich nicht für richtig. Zwei Bereiche durch LKs abdecken und den dritten im mündlichen Abi, das ist wirklich eine gute Lösung. Hach, wenn RLP nicht so unverschämt mit seinen Lehrern umspringen würde, würde ich echt glatt zurückgehen. Aber ich lasse doch nicht mein Staatsexamen nur 20% zählen!

        12,5 Jahre halte ich auch nach wie vor für gut, aber einige Schulen haben ja jetzt bei uns auch auf G8 umgestellt. Halte ich auch für eine Fehlentscheidung, ich bin ja von G8 allgemein kein Fan, aber ich bin gespannt, wie das laufen wird.
        Ich vermute ohnehin, dass BaWü langfristig zu G9 zurückkehren wird. Es gibt ja jetzt schon die Wahlfreiheit an einigen Schulen, und s.o. – die Anmeldezahlen sprechen für sich.
        Keine Einschränkungen wären wirklich bescheuert. Aber das kann ich mir echt nicht vorstellen, zumal das auf so viel Gegenwind stoßen würde, dass sie das vermutlich sowieso nicht durchkriegen würden.
        Also wenn es wieder einen anständigen Englisch LK in BaWü geben soll, dann soll gefälligst auch wieder Shakespeare in der Ganzschrift gelesen werden, so wie es sich für einen Leistungskurs gehört! 😮 Nix da, Übungen! 😀

        Ja, die Übertrittsquoten sind ja bundesweit gestiegen. Aber bis 2012 griff immerhin noch die Grundschulempfehlung, woran viele das Übel festzumachen versuchen, und das ist da, denke ich, wirklich nicht der Knackpunkt. Ich habe die Zahlen für RLP übrigens nicht gefunden, aber gerade gesehen, dass dieses Jahr die Quote in Bayern auch nahezu bei 40% liegt. Ich glaube, das ist wirklich ein bundesweites Phänomen.

        Und wieso werden eigentlich nicht alle 3 LKs im Abi geprüft?! Das ist doch das naheliegendste? Davon wäre ich eigentlcih ausgegangen. ^^

  2. pimalrquadrat

    Kurzer Nachtrag: Auf der SZ war auch zu lesen, dass man Deutsch und zwei Fremdsprachen oder Mathe und zwei Naturwissenschaften fünfstündig wählen können soll. Das deutet für mich definitiv nicht auf eine Abdeckung der drei Bereiche allein über diefünfstündigen Kurse hin, zumal ja wie gesagt zwei von den drei dreistündigen auch geprüft werden sollen. Vermutlich wird dort dann wohl die Naturwissenschaft geprüft, und in der mündlichen Prüfung dann Geschichte oder so.

    Antwort

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