Von Grübeleien.

Lange ist’s her, dass ich einen richtigen Beitrag geschrieben habe, ich weiß. Das letzte Fachsemester (oh Schreck!) war in vollem Gange, dazu kommt zweimal die Woche die (unverändert chaotische) Arbeit an der Schule, und das, was das Leben eben sonst noch so mit sich bringt – Sport, soziale Kontakte, Netflix 😉 und Co. Aber jetzt gibt es mal wieder einen richtigen Anlass für einen Beitrag, denn ich bin ins Grübeln gekommen.

Es handelt sich um ein Grübeln, das ziemlich große Konsequenzen nach sich ziehen würde – es geht darum, wie mein weiterer Lebensweg aussehen wird. Bis vor kurzem war ich ziemlich sicher, dass ich mich nächstes Jahr von der Uni verabschieden und kurz darauf dem höllischen Ref widmen würde (nein, ich habe hierbei keinerlei Illusionen, dass das Ref „gar nicht so schlimm“ sein könnte). Das war der Plan. Eigentlich. 

Im Hinterkopf hat sich in meinem Studium immer häufiger mal die Idee gemuckt, dass ich ja auch einfach an der Uni bleiben könnte. Ich studiere gerne, ich arbeite fachlich gerne, ich bin wissbegierig und diskussionsfreudig und überhaupt. Ich mag das fachliche Niveau an der Uni. Und vor einem Seminar mit selbst bis zu 50 Leuten zu sprechen ist im Vergleich zu einer Schulstunde mit 25 Siebtklässlern die reinste Wohltat.
Dennoch hätte ich es mir selbst vermutlich nicht zugetraut, also, die Sache mit der Promotion und so. Ich bin zwar selbstbewusst, aber traue mir bei meinen Leistungen letztlich doch nicht soooo viel zu – oder ich denke, dass das doch alles „ganz normal“ und nichts Besonderes ist. So war es schon beim Abitur, und so hat es sich durchs gesamte Studium gezogen.

Nun kam der Anreiz aber von außerhalb. Nicht irgendwer, sondern meine Lehrstuhlinhaberin persönlich hat mir ans Herz gelegt, eine Promotion doch bitte ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Ein großes Kompliment, das mich so überrollt hat, dass ich es auch Tage später noch nicht ganz fassen und begreifen kann. Ihr Argument: Selbst, wenn es mit der akademischen Karriere dann im Großen und Ganzen doch nichts werden sollte/mir zu unsicher sein sollte und ich den akademischen Weg „nicht bis ganz zum Schluss“ gehen werden möchte, so könnte ich nach dem PhD immer noch ins Referendariat und zurück zum Plan Lehramt. Naja, ich schätze, da ist was dran.

Und jetzt sitze ich hier, seit Tagen ziemlich aus dem Konzept gebracht. Klar, ich muss diese Entscheidung nicht jetzt sofort treffen. Aber ich habe auch nicht mehr ewig Zeit. Ich bin scheinfrei, das Examen ist in Sicht und die Themen gesetzt. Die Bewerbung fürs Referendariat wäre bereits in einem halben Jahr. Und wie das alles mit der Promotion funktioniert, das weiß ich auch gar nicht so genau. Ohne Stelle fände ich das nicht sonderlich reizvoll, falls ich aber die Möglichkeit hätte, nebenher an der Uni zu unterrichten, wie es nunmal einige Doktoranden tun, dann sähe das schon wieder ganz anders aus. Aber bin ich dafür wirklich gut genug?
Ich weiß es nicht. Ich stecke in der Sinnkrise, denn forschen und lehren an der Uni, das wäre schon ein Traum. Aber ich weiß auch, wie schwer umkämpft diese Stellen sind und wie hart die Konkurrenz. Und auch, wenn das immer ein bisschen feige klingt: Ich stehe auf Sicherheit. Ich war immer froh, dass Lehramt für mich infrage kam, denn einen Master of Arts ins Ungewisse hinein, das hätte ich nicht machen können. Andererseits sind die Stellen im Lehramt auch schon längst nicht mehr so sicher, wie sie es mal waren. Die Bildungspolitik verbockt ziemlich viel, und eigentlich habe ich auch keine Lust, die nächsten zig Jahre regelmäßig sechs Wochen arbeitslos zu sein oder gezwungenermaßen doch an eine Berufsschule gehen zu müssen. Nichts gegen die Berufsschule an sich, aber mein Ding wäre das einfach nicht; ich weiß, dass mich das nicht glücklich machen würde.

Was ich jetzt also tue, ist, mir so viele Meinungen wie möglich einzuholen. Von der Familie, von Menschen, die sich für diesen Weg entschieden haben und von denjenigen, die sich dagegen entschieden haben oder generell rigoros dagegen sind. Von ehemaligen Lehrern, deren Meinung ich sehr schätze, und von sonstigen Menschen, die mir entweder nahestehen oder sich ein bisschen mit der akademischen Welt auskennen.
Natürlich freue ich mich auch darüber, wenn meine Blogleser ihren Senf dazu geben möchten – ich versuche gerade, so viele Sichtweisen wie möglich einzufangen, auch wenn mir natürlich klar ist, dass die Entscheidung letztlich bei mir alleine liegen wird.

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13 Gedanken zu „Von Grübeleien.

  1. pimalrquadrat

    Ich muss endlich mal deine Mail beantworten. *schwitz*
    Ich nehm soviel aber vorweg: Die Anregung deiner Dozentin/der Lehrstuhlinhaberin ist sehr, sehr positiv! Und sie zeigt, dass du fachlich richtig gut bist! (Das sag ich zwar schon seit gefühlt drölfzig Jahren, aber gut. :P) Insofern: Ich denke, fachlich hast du absolut gar keine Probleme, wissenschaftlich zu arbeiten und dann halt auch zu lehren.
    Ferner bliebest du ja quasi doch beim Unterrichten, nur eben auf einem anderen Niveau, zum Teil auch ohne lästige Disziplingeschichten und du reduziertest nervige Eltern auf ein Minimum. Helikopter mal außen vor gelassen.
    Aber: Der Weg ist lang und steinig. Lassen wir mal die Disziplin bei der Diss außer Acht. Die Frage stellst du selbst: Mit oder ohne Stelle? Ich denke, eine Promotion mit anschließendem Wechsel in die Lehre macht nur dann Sinn, wenn man eine Stelle hat. Klar kann man auch so netzwerken etc. pp., aber es ist in meinen Augen schwieriger. Hier würde ich auf jeden Fall das Gespräch mit der Dame suchen und mal abklopfen, wie so die Lage ist für die kommende Zeit.
    Dann: Sowie ich mich richtig erinnere, dürfen zwischen Examen und Ref nicht mehr als vier Jahre liegen, sonst musst du in ein Kolloquium, das deine fachliche Kompetenz prüfen soll/muss. Das wurde zumindest uns damals mitgeteilt. Auch so ein Aspekt, den du im Hinterkopf behalten solltest, träfe das noch auf dich zu. Aber ja, letztlich verlierst du nur die Zeit, die du in die Diss gesteckt hast, wenn du schließlich doch an die Schule gehst. Wobei, es gibt da auch die Möglichkeit, gleichzeitig an der Schule zu unterrichten und trotzdem an der Uni Seminare zu halten, und nicht nur in Fachdidaktik. Auch hier könntest du dich informieren.
    Eins noch: Bedenke, dass du für die Diss ne Menge Rechercheaufwand hast, und natürlich auch was scheiben musst. Und das zieht sich dann durch die Tätigkeit als Dozentin durch.

    So, doch länger als gedacht. Ich muss dir wirklich mailen. ^^‘

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      😉 solltest du vielleicht mal machen, ja! 😛

      Eben, das Unterrichten würde bleiben, wenn ich tatsächlich in die Lehre gehen könnte, und das wäre mir ja wichtig. Und das andere Niveau – vor allem auch ohne die Disziplinargeschichten, genau 😛 – wäre schon super. Aber das ist halt der Knackpunkt, dass es sehr schwer ist, da reinzukommen.
      Inzwischen hat sich eine ehemalige Dozentin bei mir gemeldet, die genau diesen Weg gegangen ist (Lehramt und dann Promotion). Sie sagte auch, ich könnte bei der Dame ruhig mal abklopfen, wie es stellentechnisch aussieht, das käme nicht überheblich an, wenn sie sowas schon fallen lässt. Und mit einer Stelle sähe die Perspektive wirklich ganz anders aus, denn ohne Stelle möchte ich eigentlich nicht promovieren, mhpf. Obgleich sie auch sagte, dass man selbst mit Promotionsstipendium Seminare geben dürfte, aber Stelle wäre halt doch das einfachste.
      Das mit dem Lehramt stimmt so nur bedingt; das Staatsexamen „verfällt“, wenn man weder Ref noch Promotion macht. Wenn man den PhD draufsetzt, dann bleibt das Staatsexamen und somit auch die Zulassung zum Ref bestehen, so jedenfalls wurde uns das gesagt. Nur wenn du jetzt 4 Jahre lang sonstwas treibst, dann kommt das mit diesem Kolloquium ins Spiel.
      Ja, wie es mit so einer Diss – und dann auch später – aussieht, ist mir bewusst. Es heißt ja nicht umsonst „Forschung und Lehre“, nicht? 😉 Aber ich weiß nicht, dann setze ich ja schließlich meine Schwerpunkte selbst. Mhpf. Gerade habe ich tatsächlich sogar Motivation für die Zula gefunden. 😉 Ich denke, ich werde einfach bald nochmal mit der Professorin sprechen müssen, sie hat mich da letztens einfach echt total überrumpelt, da konnte ich nicht sonderlich eloquent reagieren. Der Fakt, dass es von ihr und nicht von mir kam, macht es einfach um Vieles realistischer, als ich es je erwartet hätte. Seither beschäftigt mich die Option ganz schön. Aber ja, ich bleibe dabei: Ohne Stelle eigentlich eher nicht.

      Oh man. Wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt… 😉

      Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Danke, das ist sehr eindeutig. 😉 Ja, naja, die Frage ist, ob Uni oder nicht. Wenn es eine Promotion ohne Stelle wäre, wäre das ja nur Forschung und keine Lehre, und das will ich nicht *seufz*. Sollte mir tatsächlich auch eine Stelle angeboten werden, sodass ich schon mal Seminare geben darf, wäre die Entscheidungsfindung nochmal leichter.
      Vielen Dank für die Meinung!

      Antwort
  2. Hauptschulblues

    Ich bin der Meinung, Sie sollten sofort zugreifen und diese Selbstzweifel schleunigst über Bord werfen. Zaghafte Kommentare sind wenig hilfreich, da Sie selbst ja noch schwanken.
    Frau Hauptschulblues und ich haben solche Angebote ausgeschlagen, es zwar nicht bereut, aber wer weiß, wie das Leben anders gelaufen wäre…
    Also: !!!

    Antwort
  3. Lena Florian

    Hey 🙂 ich schreibe jetzt mal als eine, die diesen Weg gegangen ist und momentan gleichzeitig in Schule und Wissenschaft tätig ist: Für mich kam das Angebot von meinem Doktorvater ähnlich wie bei dir sehr überraschend und ich habe mich erstmal über Chancen, direkt eine Stelle im Ref zu bekommen, informiert – war also ähnlich zögerlich… letztendlich habe ich mich dafür entschieden und es bisher nicht bereut! Es ist eine tolle Erfahrung und die Gelegenheit, diese Erfahrung zu machen, haben nicht viele. Letztendlich kannst du dich immer noch später dagegen entscheiden. Das Ref läuft dir nicht weg, du hast also trotzdem Sicherheit.

    Ich genieße es im Moment sehr, nach dem Ref beides machen zu können: Schule und Forschung. Trau dich!

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Hey,
      vielen lieben Dank für den Kommentar! Das ist echt hilfreich. 🙂 Naja, also hier ist es so, dass mir der Ref-Platz garantiert wird; „Wartezeit“ hätte ich also auf jeden Fall nicht. Ich habe mir auch gedacht, der Platz läuft dann ja nicht weg, aber es ist doch unstimmig, wie es sich damit verhält, worauf pimalrquadrat oben hingewiesen hat: Nach 4 Jahren kann es wohl sein, dass man eine Nachprüfung für das Examen machen muss, um dann noch ins Ref zu kommen. Ob das auch gilt, wenn man die 4 Jahre nicht irgendwie, sondern mit einer Promotion verbracht hat, steht leider nirgendwo – andererseits naja, vier Jahre sind ja auch realistisch, es zu schaffen, oder? Es wäre jedenfalls doof, wenn ich am Ende tatsächlich nochmal eine Nachprüfung zum Staatsexamen machen müsste. Mhpf. Parallel in Schule und Wissenschaft tätig zu sein, klingt aber richtig gut! 🙂
      Ich werde demnächst erstmal nochmals mit meiner Professorin sprechen, wie ernsthaft ich die Sache in Betracht ziehen kann/sollte. Aber ich danke dir auf jeden Fall für deine ermutigenden Worte und dein positives Beispiel! 🙂

      Antwort
  4. bobblume

    Meine Meinung ist sehr unterschiedlich zu dem, was hier steht. Ich hatte zwei Promotionsangebote – in Englisch und in Deutsch, war wie du sehr geehrt und machte es mir nicht leicht. Ich entschied mich dann für das Referendariat und bin seit 4 Jahren Lehrer. Lass es mich knallhart sagen: An der Uni zu arbeiten ist in den meisten Fällen prekär. Die Bezahlung ist unterirdisch, man ist im Mittelbau oftmals Spielball der Professoren und der Druck auf gleichzeitige Lehreergebnisse, Konferenzteilnahmen und Forschung ist enorm. Ein guter Freund von mir, der bei 80% seiner Doktorarbeit war, schmiss vor diesem Hintergrund hin. Als ich damals meine eigene Entscheidung hinterfragte, merkte ich, dass das Einzige, was mich nervte, war, den Dr. nicht vor dem Namen zu haben. Eitel, ja. Aber auch die Einsicht, worum es ging. Nämlich nicht um das romantisierte Bild vom klugen Gelehrten, der in der Uni Karriere macht. Nun als Lehrer kann ich mir den Dr. stecken, aber ich habe ein gutes bzw. sehr gutes Auskommen, kann für Verlage schreiben und habe Freiräume für Selbstverwirklichung jenseits eines konstant aufrecht erhaltenen Drucks. Verstehe mich nicht falsch. Ich will dir nichts madig machen, aber obwohl ich nicht mehr oft kommentiere, war es mir wichtig, dass du auch diese Meinung zu hören kriegst. Liebe Grüße

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Vielen Dank! Nein, das hat mit madig machen nichts zu tun, ich habe ja bewusst auch um verschiedene Meinungen / Erfahrungen gebeten, weil es natürlich auch verzerrend wirken kann, nur die eine Seite der Medaille zu kennen. Deshalb danke ich dir wirklich aufrichtig für diesen Kommentar und das Plädoyer gegen die Promotion und für das Lehramt! 🙂
      Mir geht es tatsächlich nicht um den Dr. vor dem Namen, sondern eher um die Möglichkeit, auf einem anderen Niveau lehren zu können als an der Schule. Aber ich weiß absolut, wie schwierig das stellentechnisch aussieht (von ständigen befristeten Verträgen und durchs Land ziehen ganz zu schweigen) und dass der Druck – auch auf Forschung/Publikation, denn die Lehre ist natürlich nur ein Teil des Jobs – enorm ist, deshalb will das wirklich wohlüberlegt sein.

      Antwort
  5. Pingback: Vom Ende des Studiums. | tinatainmentia

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