Das Problem mit „Und, wie war’s?“

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, wo ich anfangen soll. Und wo der Beitrag so richtig hinführen wird.
Meine Stimmung ist mies, ein kleines größeres bisschen sentimental, melancholisch und vor allen Dingen nostalgisch. Nicht zuletzt hängt das mit dem Datum zusammen, denn Daten sind etwas, das sich mir immer ins Gedächtnis einbrennt, und dementsprechend haben jene auch eine recht große Macht über mich, weil ich ständig über die Bedeutung des jeweiligen Tages nachdenken muss.
Vermutlich wird der Beitrag also in aller erster Linie pathetisch. Mit dieser Vorwarnung gibt es hier auch den ‚Read more‘ Cut, denn lustig oder amüsant wird’s heute leider Mal nicht…

Nun, wir haben also das Datum erreicht, das die Monatsmarke kennzeichnet. Nicht etwa die Monatsmarke einer Beziehung, oder des Fahrscheins, oder sonstiges. Es ist nun ein Monat vergangen, seitdem ich Großbritannien, Erasmus, meine Freunde und – Obacht, ich sagte ja, es wird pathetisch – einen Teil von mir zurückgelassen habe. 

Ein Monat, das klingt jetzt erst mal nicht dramatisch, aber irgendwie ist es das schon. Die Zeit rast nämlich mal wieder, und zu allem Übel habe ich auch noch das Gefühl, in diesem Monat jetzt wirklich überhaupt nichts auf die Reihe bekommen oder die Zeit irgendwie sinnvoll genutzt zu haben. Im Grunde genommen habe ich also einen Monat mal eben einfach so verschwendet.
Woran das liegt? Das hat verschiedene Gründe. Einen Sommerjob konnte ich nicht ergattern, und da ich kurz vor Schuljahresende zurück kam, war auch mit den üblichen Jobs in der Schule oder der Nachhilfe nichts mehr los. Durch das Auslandssemester gibt es auch keine „Altlasten“, sprich keine Hausarbeiten, Unterrichtsentwürfe oder Protokolle, für die ich noch in die Bibliothek müsste. Bei meinen Freunden und Familie hingegen sieht es anders aus: Alle sind arbeiten, in der Uni oder in der Bibliothek. Oder eben bei ihren Partnern, anderen Freunden oder sonst wo.
Das Resultat ist, dass ich mich über die Maßen langweile. Und noch mehr nachdenke. Denn auch das ist etwas, das sich im Ausland bei mir verändert hat: Ich war immer jemand, der gut alleine sein konnte. Der sich gut beschäftigen konnte, und dazu niemand anderen gebraucht hat. Natürlich kann ich jetzt immer noch lesen, Serien schauen, spazieren gehen, ins Fitnessstudio fahren und Klavier spielen. All das mache ich auch, aber irgendwie ist das alles nicht mehr so richtig erfüllend.
Dieser Aspekt ist aber eigentlich nur einer von dem, was das größere „Problem“ zu sein scheint.

Das Auslandssemester ist wie ein riesiges, sehr breit ausgedehntes Ferienlager. Es ist wirklich etwas ganz eigenes: Man ist zwar Student und hat so seine Pflichten, wie zuhause auch, aber es ist eben ganz anders. Die Erasmus-Community ist wie eine große geschlossene Familie, mit der man wahnsinnig viel erleben kann, wenn man sich darauf einlässt. Und wenn man dann noch eine kleinere Clique findet, ein paar Menschen, mit denen man sich wirklich gut versteht, dann ist das sowieso das Beste, was einem passieren kann. 

Und genau das ist mir eben passiert. Es sind in einem halben Jahr vielleicht fünf Tage vergangen, an denen ich niemanden (außer meinen Mitbewohnern) gesehen habe. Abgesehen von diesen fünf Tagen ist das kein einziges Mal vorgekommen: Jeden, aber auch wirklich jeden Tag habe ich mit meiner kleinen Clique verbracht, mal mit mehr, mal mit weniger Menschen, aber irgendwie eben doch immer zusammen. Es gab eine Zeit von etwa zwei Monaten, über die wir sogar jeden Tag nach der Uni/Bib noch zusammen gekocht und gegessen haben.
Die Intensität von solchen Freundschaften ist wahrlich unvorstellbar. Ich hätte vorher offen gestanden nie jemanden ernst genommen, der nach wenigen Monaten schon von großer Freundschaft und „Ich könnte mir das alles ohne dich gar nicht mehr vorstellen!“ spricht. Heute schon. Denn wenn man Menschen über ein halbes Jahr wirklich tagtäglich um sich hat, und so viel Großartiges gemeinsam erlebt, dann ist das schon ein verdammt komisches Gefühl, wenn man plötzlich in unterschiedliche Länder zurückkehrt. Und weil das alles so intensiv war, ist seither auch kein Tag vergangen, an dem ich nicht mit diesen Menschen kommuniziert habe – egal ob über Text-, Sprachnachrichten oder Skype.

Irgendwie verändert diese Zeit einen. Ich könnte wirklich nicht sagen, in welcher konkreten Hinsicht, denn ich bekomme es einfach nicht zu greifen. Fakt ist aber, dass ich es fühle. Ich kam ’nach Hause‘ und sah meine Familie, Freunde und Bekannte wieder. Bin wieder durch die bekannten Straßen gelaufen und habe ein paar Orte abgeklappert, die ich gerne mag. Und das war ja auch alles sehr schön, aber irgendwie auch anders. Zunächst habe ich versucht, das zu beschreiben, indem ich sagte: „Es ist irgendwie alles so anders, aber ich weiß nicht warum.“ Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das so gar nicht stimmt. Es ist eigentlich alles konstant geblieben, nur ich bin die Komponente, die irgendwie anders ist. Was im Übrigen nicht nur mir auffällt, denn ich bekomme oft den Satz „Du hast dich verändert“ an den Kopf geworfen.

Als wir noch im Ausland waren, haben wir über ein Phänomen gesprochen, das es tatsächlich zu geben scheint. Etwas, das sich Post-Erasmus-Depression nennt. Ich kann mir vorstellen, wie leicht es ist, in dieses Loch zu fallen. Klar, ein halbes Jahr ist „nur“ ein halbes Jahr. Aber man erlebt einfach so viel, mit solch einer Intensität und Geschwindigkeit, wie man das sonst nur in mehreren Jahren schafft. Und dementsprechend heftig kann der Fall werden, wenn man dann zuhause eben wieder im Alltag ankommt, mit der normalen Geschwindigkeit, den Pflichten und der Realität.
Ich glaube im Übrigen nicht, dass ich wirklich eine Art Depression habe. Ich kann vielleicht ein bisschen melodramatisch unterwegs sein, sicherlich. Aber ich liege jetzt nicht den ganzen Tag zuhause rum und weine mich in den Schlaf, so schlimm ist es nicht. Ich weiß auch, dass es seine guten Seiten hat, wieder in Deutschland zu sein, und es gibt auch hier viele schöne Momente, in denen ich gut lachen kann. Nichtsdestotrotz ist das Gefühl einfach ein anderes. Ich bin zufrieden mit meinem Leben (und spätestens ab September gibt’s ja auch wieder einiges zu tun, dass ich dort ein bisschen besser ausgelastet sein werde), und ich war schon immer ein fröhlicher Mensch. Aber ich glaube, das richtige Glücklichsein, das hatte im Ausland einfach eine ganz andere Färbung, als es zuhause der Fall ist.
Vielleicht beschreibt dieses Zitat all das am besten, denn genau so habe ich mich vor über einem Monat gefühlt:
leaveaplace

Und genau deshalb ist es so unfassbar schwer, wenn mir alle die zu erwartende Frage an den Kopf werfen. „Und, wie war’s?“ Na, so war’s. Großartig, intensiv, verändernd. Ich kann das nicht so richtig in Worte fassen, und das, was ich oben versucht habe zu erklären, will ja eigentlich auch niemand wissen, der diese Frage stellt. Es ist eine vermeintlich einfache Frage, die eine vermeintlich einfache Antwort zur Folge haben sollte. Also erzähle ich von der tollen Landschaft, dem teuren Alltag und schlechten Wechselkursen. Von internationalen Freundschaften und gemeinsamen Wanderungen. Nein, mir ist das Englischsprechen nicht schwergefallen und ja, ich kann problemlos zwischen den Sprachen switchen. Klar, ich würde es jedem empfehlen und nein, ich wandere deshalb jetzt nicht gleich aus.

Im Übrigen würde das wirklich nichts bringen, also, das Auswandern. Oder das Zurückgehen, oder „länger bleiben“. Weil es sowieso nicht mehr dasselbe werden kann. Weil es nicht nur der Ort war, der es ausgemacht hat, sondern eben das Zusammenleben mit dieser ganz speziellen Community. Dieses ganz eigene Gefühl, Teil von etwas zu sein, das eben nur dort in dieser Form und nur auf begrenzte Zeit exisitert. Denn ja, vermutlich war all das nur deshalb so großartig, einflussreich und intensiv, weil es eben auf so kurze Zeit begrenzt war. Dessen bin ich mir bewusst – dennoch schmerzt es, zu wissen, dass es eben vorbei ist und nie wieder kommen wird. Dass ich mit meinen Freunden zwar hoffentlich über lange Jahre hin befreundet sein werde (und davon gehe ich aus, denn das verbindet ganz schön) und diese zwar alle paar Jahre zu Gesicht bekommen werde, aber dass es dennoch nie wieder so sein wird, wie es war. Weil wir nicht mehr an einem Ort leben und jeden Tag unseren Alltag teilen werden. Das wäre ja auch überhaupt nicht möglich, denn wie gesagt, die begrenzte Zeit spielt dabei eine große Rolle.
Weil ich das Internationale um mich herum so vermisse, habe ich gestern Abend übrigens angefangen, mit meinem eigenen Cousin nur noch auf Englisch bzw. Französisch zu kommunizieren. Solche Späße helfen und sind ein kleiner Trost, aber traurig macht mich all das trotzdem. 

Auch wenn das jetzt gerade vielleicht alles gar nicht so klingt und ich mehr jammere als alles andere, bin ich unfassbar glücklich und dankbar, diese großartigen Erfahrungen gemacht haben zu dürfen und diese Erinnerungen sammeln gekonnt zu haben. Um nichts auf der Welt würde ich dieses erste Halbjahr des Jahres 2015 eintauschen oder hergeben wollen. Und natürlich ist es ein ganz wundervoller Bonus, nun Freunde auf der ganzen Welt zu haben.
Falls sich irgendjemand durch diesen Beitrag durchgequält haben sollte, möchte ich an dieser Stelle unbedingt vorrangig den Schülern und Studenten mitgeben: Wenn ihr die Chance habt, so ein Erasmussemester mitzumachen, macht es auf jeden Fall. Es ist finanziell nicht gerade rosig, und das Studium stagniert vielleicht auch ein bisschen (nein, ich fange jetzt nicht schon wieder mit Bologna an!), aber es ist all das wert. Auch wenn man am Ende eben ein bisschen verändert zurückkommt, und vielleicht nicht gleich wieder seinen Platz zuhause findet. Mit der Zeit wird sich wohl auch das geben, und das Gefühl des Angekommenseins bzw. des Daheimseins wird sich (hoffentlich!) auch irgendwann wieder einstellen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass mich das Endzitat aus l’auberge espagnole nicht mehr loslässt, da es einfach genau ins Schwarze trifft und es eines dieser schwer greifbaren Gefühle beschreibt. Deshalb bekommt ihr das jetzt zum Abschluss in leicht angepasster Form:

Je suis lui, lui et lui, et lui, et lui aussi et lui aussi. 
[…] Et puis lui, lui je veux pas le décevoir. 
Je suis elle, elle, elle, et elle aussi. Je suis allemande, française, espagnole, anglaise, suédoise. Je suis pas une mais plusieurs. Je suis comme l’Europe, je suis tout ça. Je suis un vrai bordel.

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15 Gedanken zu „Das Problem mit „Und, wie war’s?“

  1. Myriade

    Ja, das kenne ich. Du beschreibst es sehr gut: dieses fantastische Gefühl ist aber eben an einen bestimmten Zeitraum gebunden und läßt sich auch mit denselben Menschen an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit nicht wieder herstellen.
    Wäre es nicht schön, wenn alle Menschen auf so ein Erlebnis zurückblicken könnten und dann in diesem Sinn, mit diesem Grundgefühl eine andere Europäische Union entstehen würde ….

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Ja, das ist es eben, was es einerseits sehr besonders und einzigartig macht, andererseits aber eben diesen melancholischen Beigeschmack mit sich bringt. Natürlich kann ich mit den Leuten wieder zusammenkommen, aber dann eben „nur zu Besuch“ aus dem Alltag gegriffen, das ist etwas völlig anderes. Wiederherstellen lässt sich dieser Zustand eben nicht mehr, und diese Endgültigkeit ist etwas, woran ich zu knabbern habe.
      Da hast du ganz Recht! Denn es stimmt, man fühlt sich am Ende eben irgendwie ‚europäischer‘, und das ganze Bild von der eigenen Nation verschiebt sich ein bisschen. Was dieses Zitat ja auch ganz wundervoll zum Ausdruck bringt.

      Antwort
  2. Herr Quer

    Das Gefuhl hatte ich auch. Ergebnis war das ich ein Semester nicht in der Uni war (damals ging das) sondern mich um alles andere gekümmert hab, Freundin, Freundeskreise, Leben. Das gehört auch dazu… das Erlebte in das eigene Leben einzubauen und eben nicht einfach weitermachen wie vorher. Erasmus, Teil 2: Wieder zu Hause ankommen. Nimm dir die Zeit dafür. (Ich sag heute noch manchmal Tuna statt Thunfisch….)

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Schön, dass hier Leute mitlesen, die das ganze selbst schon erlebt haben und dementsprechend nachempfinden können. 🙂 Ich vermute mal, das ist etwas, das wirklich schwerfällt, wenn man es selbst nicht mitgemacht hat.
      Wahre Worte, „das Erlebte in das eigene Leben einzubauen und eben nicht einfach weitermachen wie vorher“. Ich habe nämlich das starke Gefühl, dass das auch gar nicht geht. Man kann einfach nicht weitermachen wie vorher, zurückkommen und in gleicher Weise den Platz wieder einnehmen, der eben ein halbes Jahr (oder Jahr) leer war. Leider wird genau das aber von einem erwartet, und das eben wie gesagt deshalb, weil die Leute es nicht nachvollziehen können.
      Hihi, ich habe das Problem mit ‚vinegar‘ und weiß genau, was ich damit meine, komme aber meistens nicht auf das deutsche Äquivalent. 🙂 Zum Glück darf man manche Begriffe ja aber auch behalten, ich sag nur ’sour cream‘ … :mrgreen:

      Antwort
  3. pimalrquadrat

    Ich hätte jetzt natürlich ein Zitat aus dem Herrn der Ringe, aber das magst du sicher nicht hören. 😉
    Ja, ich kann nachvollziehen, wie es dir geht, auch ohne je in dieser Situation gewesen zu sein. Erasmus kenne ich nur aus dem tollen Film l’auberge espagnole, aber ich denke, dieses Gefühl, von dem du schreibst, kann verschiedene Ausprägungen haben. So ähnlich fühle ich, wenn ich an die letzten Wochen und Monate der Schulzeit zurückdenke, oder ans Ende des Studiums. Natürlich ist das nicht richtig vergleichbar. Aber ein kleines bisschen schon.
    Einen Rat oder einen sinnvollen Kommentar hab ich leider nicht, außer dem Wunsch, dass du mit all den Leuten möglichst lange, am besten natürlich bis zum Schluss in Kontakt bleiben wirst, und in dieser Zeit nicht nur von Vergangenem zehren wirst, sondern viele tolle neue Erinnerungen dazukommen werden.

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Na, wenn du schon mal frei zitieren kannst, dann bitte! :mrgreen:
      Hey, der Film ist wirklich toll, aus dem habe ich ja knallhart sogar ein Zitat in den Beitrag geknallt! 😛 Sag jetzt nicht, das gefällt dir nicht? Ist doch sogar Französisch! :mrgreen:
      Nee, also der Film ist echt süß, und gerade das Ende hat eben auch viel Wahres. Klar wird das da ein bisschen überzeichnet mit Sex, Drugs & Rock’n’Roll…
      Doch, da hast du ganz Recht, bei der Schulzeit werde ich auch manchmal ein bisschen nostalgisch/wehmütig. Aber so doll wie jetzt bei Erasmus ist es nicht, die Dimension ist irgendwie ganz anders, weil man ja wirklich in einem ganz eigenen Rahmen lebt und erlebt.
      Danke, das wünsche ich mir auch. 🙂 Allerdings wünsche ich mir momentan fast noch mehr, dass ich meinen Platz hier in Deutschland wiederfinde, aktuell fühle ich mich nämlich selbst mit meinen Freunden und so generell ein bisschen „lost“. :/

      Antwort
      1. pimalrquadrat

        Ist zwar aus dem Film, und ich weiß, was du davon hältst, aber bitte:
        „How do you pick up the threads of an old life? How do you go on, when in your heart you begin to understand… there is no going back? There are some things that time cannot mend. Some hurts that go too deep, that have taken hold.“

        Löar gefällt mir der Film, und das Zitat natürlich auch. 🙂
        Wie denn jetzt, überzeichnet? Sag bloß, ihr habt nicht jede Nacht halbnackt um ein Lagerfeuer gesessen und euch die Seele aus dem Leib… gesungen? 😛

        Sag ich ja, der Vergleich ist nicht ganz passend, und Erasmus ist noch einmal ne ganze Ecke intensiver. Aber ich hatte nun einmal selbst keinen Vergleich parat.
        Hm, da würd ich dir jetzt gern ein Patentezept bieten, aer ich hab leider keins. 😦
        Ich denk, du weißt nach wie vor, wie viel sie dir und du ihnen bedeutest. Darauf lässt sich vielleicht aufbauen?

      2. pimalrquadrat

        Ich weiß, wie schwer es dir fällt, etwas Positives am HdR zu finden. 😉
        Aber wenn man ein wenig über den Fantasy-Teil hinwegschaut, sieht man, dass es noch so viel mehr gibt, was drinsteckt.

        Lass dir, ihnen, euch, noch ein wenig Zeit, auch wenn es gerade nicht so läuft, wie vorher. Du bist ein toller Mensch, und sie brauchen vielleicht nur gerade etwas länger, um das auch wieder zu erkennen.

  4. auchlehrer

    Hermann Hesse

    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Das Gefühl ist schon lang bekannt – du bist nicht allein;-)

    Antwort

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