Prägende Vorbilder und Faszination Sprache.

Nun, Bob Blume hat zu einer Blogparade zum Thema Lernlust aufgerufen, über die ich eine Weile nachgedacht und meine Schulzeit, aber auch mein Studium ein bisschen reflektiert habe. 

Was war es, das bei mir die Lernlust entfacht hat, das mich dazu gebracht hat, mich immer weiter mit einem Thema zu beschäftigen, bis ich es (zumindest ansatzweise) durchdrungen habe?
Die Antwort, die mir zuerst in den Sinn kam: Die Lehrperson, das Vorbild.

Meine größte Leidenschaft gilt den Sprachen, insbesondere der englischen. Und das ist schon sehr lange so, nämlich irgendwie schon seit ich mich zurückerinnern kann an die Anfänge des Fremdsprachenlernens, Klasse 5.
In der fünften Klasse hatte ich das unsagbare Glück, die Person kennenzulernen, die seither für mich die Personifikation der perfekten Lehrerin darstellt. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch andere großartige Lehrer hatte (und leider auch das Gegenteil), aber sie hat mich eben am meisten geprägt.
So genau kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht an Inhalte oder Methoden erinnern – nur an das Gefühl. Diese Frau liebt die englische Sprache und Literatur, und diese Leidenschaft hat sie irgendwie so enthusiastisch versprüht, dass der Funke direkt auf mich übergesprungen ist.

Ich wollte einfach Englisch lernen. Ich habe versucht, in meiner Freizeit (Klasse 5/6) Songtexte zu übersetzen, und wenn ich nicht weiter wusste, habe ich rumgefragt. In Klasse 7 oder 8 habe ich versucht, mein erstes Buch auf Englisch in der Freizeit zu lesen (err, hat nicht SO gut funktioniert, aber es ging). Spätestens ab Klasse 8 war klar, ohne Englisch Leistungskurs mache ich kein Abitur, in Klasse 10 war der Entschluss gefasst, die Sprache und die Literatur studieren zu wollen. 

Ich weiß nicht, ob man all das wirklich auf diese eine Lehrperson zurückführen kann, aber irgendwie waren die Englischstunden und ihre ungebrochene Euphorie einfach magisch für mich. Das kombiniert mit einem unsagbar gutem Fachwissen und gutem Unterricht, weiß nicht, das war einfach wie ein sich aus mehreren Monaten zusammensetzender Schlüsselmoment. Außerdem stimmte die Chemie, ich glaube, das ist kein unwesentlicher Faktor, auch wenn man das nicht so gerne wahrhaben möchte. Ich war traurig, wenn Englischstunden ausgefallen sind, statt mich wie jeder normale Schüler über eine Freistunde zu freuen. [Und das ist bis heute geblieben, denn gerade wurde mein mega spannendes Linguistik-Seminar gekänzelt, was mich gerade richtig nervt – auch hier ist die Dozentin einfach nur genial, unsagbar kompetent, belesen und humorvoll. (Ich denke, ich werde mich einfach selbst ein bisschen weiter in die Materie zu Aphasie einarbeiten, weil es einfach so interessant ist und das ganze Fachgebiet (Psycholinguistics) mich so fesselt.)]
Im Übrigen war ich der glücklichste Mensch, als ich meine Fünftklässlerenglischlehrerin im Leistungskurs erneut bekommen habe, um bei ihr letztlich auch das Abitur zu schreiben. In der Zeit habe ich wahnsinnig viel gelernt, was mir ein wirklich gutes Fundament für die Uni gegeben hat, und nach dem Schulabschluss haben wir uns gegenseitig ein bisschen mit Komplimenten überschüttet. 😉

Ob sie wirklich der Initator meiner Leidenschaft für die englische Sprache war, naja, das weiß ich nicht – aber ich weiß, dass eine gute Lehrperson nur noch ein netter „Bonus“ ist, wenn die Lernlust erst mal geweckt ist. In der Mittelstufe habe ich zwei Jahre lang eine wirklich miese (und unsympathische) Englischlehrerin gehabt – eine Zeit, in der ich dann doch über ausfallenden Unterricht froh war – aber das hat meiner Lernlust bzgl. der Sprache und der Literatur keinen Abbruch getan – zum Glück!

Und dann wären da noch die sonstigen Fremdsprachen. Irgendwie hat mich die Faszination für Sprachen einfach gepackt, vor allem für die Ähnlichkeiten/Verbindungen verschiedenster Sprachen. Die Lernlust hierfür ist, glaube ich, rein intrinsisch motiviert. Warum ich das habe, weiß ich nicht, aber ich lerne gerade Französisch und versuche nebenher, mein Italienisch wieder aufzufrischen, und ich bin total begeistert, dass ich hier ein paar Leute gefunden habe, die das alles genau so spannend finden wie ich. Wenn wir uns also stundenlang über Parallelen und Unterschiede zwischen Sprachen oder über Etymologie statt über Schuhe und Kerle unterhalten, dann bereichert mich das ungemein. 

Mein Fazit wäre also, dass Lernlust durchaus auf einen Schlüsselmoment zurückgeführt werden kann, der womöglich durch die Leidenschaft einer anderen Person (mit Glück die der Lehrperson) ausgelöst werden kann. Wenn der Stein erst mal ins Rollen gebracht ist, dann verpflanzt sich das irgendwo im Inneren und in den Interessen, und dann läuft’s von allein. Das wäre jedenfalls meine Erfahrung dazu – und vermutlich kein unwesentlicher Mitgrund für meine Berufswahl, die zugegebenermaßen unter anderem ebenso maßgeblich von der oben beschriebenen Englischlehrerin beeinflusst worden ist. 😉

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6 Gedanken zu „Prägende Vorbilder und Faszination Sprache.

  1. Pingback: Blogparade: Es war einmal die Lernlust | Bob Blume

  2. ninaxy3

    Mir gehts genauso mit Chemie 😀
    Da wurde die Lernlust zwar erst in der 10. Klasse geweckt, dann aber so extrem, als müssten die letzten (verpassten) Jahre doppelt und dreifach nachgeholt werden. 🙂

    Antwort
  3. Frau Henner

    Eine schöne Geschichte!
    Ich glaube, es kommen immer zwei Dinge zusammen: der richtige Moment (das kann ein motivierender Lehrer sein oder eben ein motivierender Inhalt) und die Anlage, die jemand mit sich herumträgt. Sonst wären ja alle Schüler begeisterte Englischlerner und Leistungskursler geworden. Du hast also etwas in dir gehabt und zum Glück diese Lehrerin getroffen.
    Den Faktor, den wir in uns tragen, dürfen wir bei all den Lernlust-Erinnerungen nicht vergessen, wenn wir uns fragen, wie machen wir das später mals selbst. Du kannst vor Begeisterung sprühen – tu das, das ist wichtig und du reißt immer welche mit, aber sei nicht enttäuscht über die, bei denen du keinen Funken entfachen kannst, Tina. Auch das ist normal. Wenn sie Glück haben, fangen sie anderswo Feuer. Manche entzünden nie.

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Das weiß ich 😉 man kann nie alle erreichen bzw. für seine Leidenschaft begeistern, das ist klar. Aber wenn es alle paar Jahre mal bei vielleicht auch nur einer Person richtig Klick macht, weil diese vielleicht auch die „Veranlagung“ hat und man sozusagen der Auslöser sein kann, dann ist es das doch schon wert. 🙂

      Antwort
  4. Pingback: „Lernlust“: Auswertung der Blogparade | Bob Blume

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