Backpfeifen.

In der 5a sind zwei richtig nervige Cousins. Sie nerven auf unterschiedliche Art und Weise:

Adam nervt einfach so, wie man sich das vorstellt. Er spielt den Klassenclown, er ist immer laut, er sammelt fleißig Einträge in seinem Hausaufgabenheft, die von den Eltern unterschrieben werden müssen. Er ist kein guter Schüler, aber das versucht er mit Frechheit zu kompensieren, um seinen sozialen Status innerhalb der Klasse aufrecht zu erhalten. Er gehört zu den Kindern, die Opfer der nicht bindenden Grundschulempfehlung geworden sind, denn er wird den gymnasialen Anforderungen nicht ansatzweise gerecht (eine Problematik, die auch Frau Henner genauer erörtert hat) und obwohl er eigentlich ein richtig netter Junge ist, mündet seine Überforderung in Verhaltensauffälligkeit.

Julius hingegen ist eher die arrogante kleine Nervensäge. Er schreibt gute Noten und ist wohl – für sein Alter – sehr belesen, kennt zigtausend Rekorde auswendig („Wenn deine Oma wirklich 104 wäre, würden ihr trotzdem noch 18 Jahre fehlen, um einen Rekord als älteste Frau zu erreichen!“) und konsumiert scheinbar überdurchschnittlich häufig „Galileo“, was er auch gerne mehrmals erwähnt. Darüber hinaus ist er unfassbar laut – denn er muss ja kundtun, was für eine gute Note in welchem Test er letztens wieder geschrieben hat, wer gerade mal wieder versucht, von ihm abzuschreiben, weil er ja so klug ist oder wie doof alle anderen sind. 

Kurzum: Beide nerven mich. Jeder auf seine Weise, wobei Julius auf unsympathischere Art und Weise nervig ist, sofern das irgendeinen Sinn ergibt.

Neulich haben beide sich mal wieder gegenseitig hochgeschaukelt. Plötzlich ruft Julius:
„Der Junge ist so ein Idiot! Der nervt soooowas von! Kann ich dem ’ne Backpfeife geben?“

Ich: „Nein?!?!? Abgesehen davon brauchst du grade mal was sagen, du bist auch nicht gerade ruhig…“

„Ja, aber ich gebe wenigstens nichts Dummes von mir, wenn ich laut bin. Also nochmal, ich will dem eine Backpfeife geben, damit der endlich mal die Klappe hält!“

„Nein.“

„Jaja, ich weiß ja, dass Sie das nicht dürfen, deswegen würde ich das für Sie übernehmen.“

„Nein.“

„Sie können ja auch wegschauen, dann können Sie nicht mal Ärger kriegen!“

Das Angebot ist fast verlockend. Wenn die sich einfach mal kurz gegenseitig eine Backpfeife geben würden…

„Nein.“

„Aber der is‘ doch mein Cousin („Kuseng“)!“

„Äh, ja und? Meinst du jetzt, mit ihm verwandt zu sein berechtigt dich dazu, ihn zu schlagen oder wie?“

„Ja!“

„Nein!“

„Boah ey, voll unfair…“

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8 Gedanken zu „Backpfeifen.

    1. tinatainmentia Autor

      Wieso, willst du die Backpfeifenausteilerei dann vom Zwangsehemann verüben lassen? 😀 Du bist doch selbst schon dazu berechtigt durch das schwesterliche Dasein *grübel* Aber ich frage für dich gern nochmal bei Julius nach! 😉

      Antwort
  1. pimalrquadrat

    Boah, die hätten beide so eine verdient. Julius noch mehr, gute Noten zu schreiben ist das eine, aber das auch noch so arrogant raushängen zu lassen, find ich nicht fein.
    Bleibt zu hoffen, dass ihn irgendwann mal jemand auf den Boden der tatsachen zurückholt, sonst seh ich in dem Kerl einen zukünftigen Banker/Hoeneß/Reus….

    @Widi: Du willst echt deine Schwester verheiraten, um jemanden zu backpfeifen?! 😯
    Die arme Schwester?! 😮

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Die sind echt beide richtig nervig. Aber Julius finde ich den noch unsympathischeren der beiden, genau. Er übertreibt auch völlig: Erzählt mir in der Hausaufgabenstd. 3x, er müsse sich umsetzen, „damit keine Idioten von ihm abschreiben“. Einmal habe ich ihn allein gesetzt, um meine Ruhe zu haben, dann schreit er doch tatsächlich, als ich gerade einem Mädchen was erkläre: „FRAU STUDI!!!! DER TOM KAM GRADE HER UM VON MIR ABZUSCHREIBEN!!! ICH BIN HIER NIRGENDS SICHER!!!“ Boah, so ein ****brocken, echt. -.-

      Antwort
      1. pimalrquadrat

        Oha. Ziemlich starker Geltungsdrang. Hat er es in der Familie vielleicht nicht ganz leicht, Aufmerksamkeit zu bekommen? Soll jetzt keine Entschuldigung sein, aber so arrogant kann der doch nicht wirklich sein?!

        Abschreiben? Ha, das lässt sich ganz einfach kontern, indem man sich eine Sauklaue angewöhnt. 😀

  2. Frau Henner

    Unterrichten wir an der gleichen Schule?
    Gut, meine heißen nicht Adam und Julius – aber das Verhalten ist das gleiche. Seltsamerweise werden mir die Juliusse gerade auch unsympathischer als die Adamme, wenn man da überhaupt eine Abstufung machen kann. Momentan helfen mir wirklich die Ferien – mit Abstand betrachtet sind es nur kleine Jungs, die gerade ein paar Männlichkeitsrituale durchspielen.

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Frau Henner, meine heißen auch nicht Adam und Julius. 😉 Ich wollte nicht nur die Namen pseudonymisieren, sondern lieber auch gleich mal die Nationalität verklären, aber mehr sage ich dazu nicht. 😉
      Ja, irgendwie ist es schwer zu erklären, aber es scheint eine Abstufung zu geben, finde ich jedenfalls.
      Und ja, da haben Sie sehr recht. Nach den Ferien bin ich nicht mehr für lange an der Schule, weil ich dann ins Ausland verschwinde, die längere Auszeit wird mir sicherlich auch gut tun. 🙂

      Antwort

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