Shorty: Ref… wie nochmal?

„Frau Studi, sind Sie eigentlich Lehrerin?“

[Anm.: Diese Frage kommt immer mal wieder – ob meines offensichtlich noch nicht allzu fortgeschrittenen biologischen Alters. Und ich antworte meist ausweichend, dass ich hier und jetzt eben die Lehrerin bin, die die Stunde beaufsichtigt. Es fällt mir schwer, eine Antwort zu geben, denn ich möchte nicht lügen und einfach „Ja“ sagen, andererseits sollen die Schüler aber auch nicht erfahren, dass sich einige Kollegen und ich noch im Studium befinden, weil das mit der Disziplin/dem Respekt spätestens dann komplett vorbei ist. Sehr viel einfacher ist natürlich die Frage: „Welche Fächer unterrichten Sie?“, denn darauf kann man schließlich problemlos und ehrlich antworten.]

Noch bevor ich etwas sagen kann, ruft Markus: „Nein, nix sagen!“ 
Er schaut mich grübelnd an.

„Also ich glaube, ich weiß, was Sie sind.“ (Öh… ein Mensch?)

„So, was denn?“, frage ich neugierig.

„Sie sind ganz bestimmt im Referendum! Stimmt’s?“

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14 Gedanken zu „Shorty: Ref… wie nochmal?

  1. pimalrquadrat

    Referendum! XD

    Ja, die Frage taucht immer mal wieder auf. Sowohl in der Hausaufgabenbetreuung, als auch im Praxissemester (wenn man nicht bereits als Praktikant vorgestellt wurde 😉 ) oder auch in der Nachhilfe. Und wie du schreibst, hängt davon auch ein gut Teil de(ine)r Autorität ab. Da war ich dann eiskalt und hab immer „ja“ gesagt, auch wenn ich ähnliche Gedanken und Bedenken hatte wie du.

    PS: Ein Mensch? Gaaanz sicher? 😛

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Bei meinen Nachhilfe-/Hausaufgabenkids (die Grund- und Hauptschüler) kann ich da ehrlich sein. Das ist auch ein anderes Klima, da habe ich ja immer nur so 4-5 Kids auf einmal und da wird auch geduzt (allgemein, auch die Chefs) usw. Das ist ok, dass ich da Studentin bin… Da arbeiten auch Oberstufenschüler beispielsweise.
      In der Schule ist das eben eine andere Kiste, wenn die mitkriegen, dass ich Studentin bin, dazu vermutlich nicht mal älter als einer der zahlreichen großen Brüder (kein Klischee), wird’s ganz kritisch. Deshalb gebe ich auch nie mein Alter preis („Ohhh man, aber ALLE Lehrer sagen uns das! Die Frau E. ist zB 32!“)… Ja, wenn ich 32 und für die Kinder damit „uralt“ :mrgreen: wäre, würde ich das auch preisgeben, aber nicht mit „Oha, Sie sind ja nur 10 Jahre älter als wir!“ oder so.

      Ja, ein Mensch 😛 obwohl ich so ein seltsames Wesen mit deutschen Elternteilen bin… 😆 das war mal ein anderes Shorty, weiß nicht, ob du das kennst 😉

      Antwort
      1. pimalrquadrat

        Ja, hängt immer auch von den Schülern ab, stimmt schon. Und 32 ist definitiv nicht URALT, Himmel, da bin ich in weniger als einer Handvoll Jahren! 😯

        Hm, der „Mensch“ hat nicht nur mich inspiriert. *auf die anderen Kommentare schiel* 😛
        Das Shorty hab ich gard noch mal gelesen. Tja, als Deutscher fällt man halt auf. Irgendwie pervers.
        Gut, als Deutschlehrerin, da wird es ja noch schlimmer, weil du a) korrektes Deutsch sprechen und schreiben wirst, aber noch mehr b) weil du vom Körperlichen (mal ehrlich, die Achtklässler sind teilweise einen Kopf größer als ich mit 1,80!) und vom „Rang“ her als Frau unterlegen bist.
        So böse sich das anhört, aber das ist halt ein Problemfeld, das auf sehr viele Lehrerinnen zukommen wird, und darauf vorbereitet werden sie nullkommagarnicht. 😦

      2. tinatainmentia Autor

        Du, ich sage ja auch nicht, dass ICH 32 als uralt empfinde :mrgreen: Ich finde, dass das ein super Alter ist. Aber für die SCHÜLER ist das eben ewig weit weg von ihrem eigenen Alter, das ist für die halt „so richtig erwachsen und alt“. 😆

        Ja, mit der Größe wird’s ab Klasse 8 schwierig. :mrgreen: Ich bin ziemlich groß für eine Frau, aber ja, neben so manchem Achtklässler fühle ich mich fast schon klein *nörgel*. Bis Klasse 7 haben die in der Regel alle noch nicht so ’nen Schuss gemacht, da überrage ich die wenigstens noch… x) Aber ja, insbesondere letzteres, die „Rangkomponente“, die merkt man schon. Das ist wirklich stark kulturell bedingt und ich habe da nicht nur einen 14jährigen, der Zuhause das Sagen hat, weil er der älteste Mann im Haus ist (leider, leider nicht wenige mit alleinerziehenden Müttern).
        Ja, pfff, darauf vorbereitet werden… Da müsste ja mal zugestanden werden, dass es dieses Problem wirklich gibt, und dass das kulturell bedingt ist. Aber nein, oh weh, wo denkst du hin! Da wird dann was von der übervorsichtigen Toleranz gefaselt und, mein absoluter Favorit in einem Pädagogikseminar: „Viele der Kinder mit Migrationshintergrund sind ja in Deutschland geboren und/oder aufgewachsen. Dann sollten wir sie als Deutsche betrachten, schließlich haben sie dann ja auch die deutsche Kultur als Hintergrund und nicht (nur) die aus dem Land, aus dem die Eltern kommen“. So einfach ist es eben nicht. Im Übrigen ist auch das eine schwierige Kiste, ich würde die Kinder niemals als „Ausländer“ betiteln oder so, ich sehe sie durchaus als „deutsch mit Migrationshintergrund“ (das ist nicht nur ein Euphemismus, das ist schon was anderes, finde ich)… Aber die Kinder selbst?! Die kriegen die absolute Identitätskrise, wenn man denen mit ‚deutsch‘ kommt. Sie bezeichnen sich selbst als „Ausländer“ und sind stolz darauf. Ich habe schon erlebt, wie sie „du Deutscher“ als Beleidigung untereinander verwenden. Naja.
        Und sie haben natürlich auch die deutsche Kultur mitbekommen, aber wenn die Hierarchie zuhause eben noch patriarchalisch ausgerichtet ist und es da mit der Emanzipation und der Sache, dass man Frauen und Männern gleichermaßen Respekt zukommen lässt und beide als Autoritätsperson betrachtet, nicht weit her ist… Also so viel dazu, von wegen „wir müssen die Kinder ALLE als Deutsche mit deutscher Kultur betrachten“…

      3. pimalrquadrat

        Sicher. Und du hast ja auch recht damit, je größer der Altersunterschied is,t umso geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Schüler dich als Kumpel denn als Lehrerin sehen.

        @ Größe: Stell dir mal vor, wie es wäre, wenn du auch nur 1,58 oder so wärest, wie eine Freundin von mir. Die muss z.T. sogar zu Fünftklässlern aufschauen. 😕
        Mein eigenes Erlebnis des Grauens war eine Siebtklässlerin, die an die 1,90 groß war. In der siebten Klasse!!!

        Zum Rest deiner Antwort (Rest nicht abwertend gemeint): Vollste Zustimmung! Das ist bereits eine große Herausforderung, und wird es auch bleiben, nicht zuletzt weil außer den betroffenen Lehrern kaum jemand Interesse an diesem Problem hat oder zeigt.

      4. tinatainmentia Autor

        Eben, genau das meine ich. Und deshalb gebe ich mein Alter nicht preis, solange ich noch nicht sehr nah an der 30 rumdümpele. 😉

        Ja, ich bin da auch sehr froh drüber, über meine Größe. Ich habe schon oft gedacht, dass das ein Vorteil sein kann.
        Wuha, 1,90 für eine Frau, das ist ja immer krass 😕 und dann noch in der 7. Klasse! Weia! 😮

        Das stimmt. Da ist noch einiges an Arbeit zu leisten bzw. da müssen noch ein paar Jahr(zehnt)e ins Land gehen, bevor sich das mal wirklich ändert, fürchte ich.

  2. schnipseltippse

    Ist doch keine Lüge, wenn du Ja sagst, schliesslich lehrst du doch.
    Wir mochten Referendare früher sehr. Besonders wenn sie lange Haare und Lederhosen trugen und Erdkunde für einmal interessant daher kam. 😀

    Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Naja, ich lehre ja nicht, ich beaufsichtige nur Hausaufgabenstunden… 😉 Und im „Referendum“ bin ich auch noch nicht. :mrgreen: So gesehen wäre es also schon eine Lüge. 😉
      *seufz* Wir mochten Referendare oft nicht so sehr, aber irgendwie haben wir auch immer die abbekommen, die fachlich Nieten waren und das hat mich als Schülerin immer am meisten gestört. Deshalb lege ich irgendwie extrem viel Wert auf Fachkompetenz. 😀

      Antwort
    1. tinatainmentia Autor

      Ja, so sicher bin ich mir da auch nicht mehr… Lehrer und dann noch „ganz deutsch“… Weia! 😉

      Danke dir 🙂 Wer den Ort erkennt, bekommt virtuell einen Keks von mir 😛 xD

      Antwort

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