Schulerlebnisse die Zweite

Huch! Wie konnte ich denn bloß…

Eine Schande ist das, dass mir diese Geschichte nicht pünktlich zu Frau Hildes Blogevent eingefallen ist. Man kann sich das nur so erklären, dass ich das wohl ganz offensichtlich verdrängt haben muss…

Als ich letztens arbeiten war, kam aus den Toiletten der Mensa ein kleiner Junge hinter uns hergesprintet, und zwar mit den Worten: „Frau Studiiii, Frau C., Frau G. – vergessen Sie mich niiiicht!“ 

Tja. Und in dem Moment hat’s klick gemacht und mein hmz. Lustiges? Traumatisierendes? 😀 Schulerlebnis war wieder da.

Nämlich, es war mal eine Klassenfahrt nach England… 

Eine Freundin, B., und ich waren zusammen bei einer Gastfamilie. Man nächtigte allerdings nur bei den Gastfamilien, das war nämlich kein Austausch, sondern nur eine Klassenfahrt mit ohne Jugendherberge/Hostel. Dementsprechend wurden die Tage mit der Klasse verbracht. Man machte Ausflüge und sowas.
Für den Mittwoch war der Treffpunkt für morgens um 9, auf so einem kleinen Plätzchen in der Innenstadt von [Stadt in England] vereinbart.

Dienstag Abend hieß es vom Gastvater, seine Frau werde uns mittwochs zum Treffpunkt fahren.
Mittwoch Morgen hieß es von der Gastmutter, dass nüschd. Man solle doch bitte den Bus nehmen… Die Haltestelle sei auch nur 10 Gehminuten entfernt, man müsse da nur 3x links und dann einmal rechts und dann durch das Wäldchen und dann noch… Ja. 

Nun gut, B. und ich hetzten der komplizierten Wegbeschreibung nach zur Haltestelle, fanden selbigwelche tatsächlich (ein Weltwunder bei unserer Orientierung, echt mal) und wurden vom überfreundlichen Busfahrer (hach, das is‘ halt England, nech) in die Innenstadt gekarrt. Wo wir dann um 8:52h ankamen (englische Zeit wohlbemerkt, so doof waren wir nicht!). Wir sprinteten zum Platz, auf dem wir ganz stolz um 8:58h eintrafen…

…um dort niemanden anzutreffen. Keine Lehrer, keine Mitschüler, keinen Busfahrer. Einfach nur niemanden. Hmz. Wir guckten noch dreimal auf die Uhr, fragten Passanten nach der Uhrzeit – doch, stimmte. Es war noch nicht 9.

Zunächst einmal warteten wir ein paar Minuten. Wäre zwar seltsam, aber vielleicht kämen die anderen ja noch…

Es kam niemand. 

Wir versuchten verzweifelt, diverse Mitschüler zu erreichen. Es nahm niemand das olle Telefon ab. Soll das hier ein schlechter Scherz sein?!

Die Nummern der Lehrer hatte B. eingespeichert, dummerweise hatte ihr Handy an diesem Morgen den Geist aufgegeben. Na toll. Half ja alles nichts, nervöse kleine Neuntklässlerinnen, die wir waren, beschlossen wir, nach Hause zu telefonieren (:D). Hallo, wir standen hier mutterseelenallein in einem fremden Land rum, und unsere ganze Gruppe war spurlos verschwunden…!

Gesagt, getan. Ich rief aufgeregt die Tinalise-Mutter in Deutschland an, welche dann in der Tinalise-Schule anrief, welche wiederum die Lehrkräfte in good old England anrief. Kompliziert, kompliziert.

25 Minuten später rollte der Bus auf den Platz.

Wir waren höchst angepisst, und die Lehrer höchst… nun ja, kleinlaut. 
Ich: „Wieso um alles in der Welt sind Sie denn losgefahren? Wir waren pünktlich. Und Sie waren schon weg!“
Frau S. (jetzige Frau W., siehe den vorangehenden Blogeintrag ;)): „Ja, oh äh, echt? Seid ihr da sicher?“
B., schnaubend: „Pff, was soll das denn jetzt heißen? Natürlich sind wir sicher, wir haben uns abgerannt wie die Blöden, wenn Sie wüssten, was wir heute morgen für einen Stress hatten… Und dann kommen wir um kurz vor 9 hier an und kein Mensch ist da!“
Herr D.: „Ja, ähm, sorry… Das äh, tut uns Leid. Aber ihr hättet doch nicht gleich die Schule benach…“
B.: „Pffff, und jetzt uns noch vorwerfen wollen, dass Sie jetzt ’n Anschiss von der Schulleitung kassiert haben oder was…“
Herr D.: *kleinlaut schweig* 
Frau S.: „Wir dachten halt, es wären alle da…“

Wir stiegen ein, ließen uns auf zwei Plätze fallen und fragten unsere Mitschüler, wieso sie cleverweise nicht erwähnt hatten, dass wir noch fehlten.
F.: „Oh sorry… Ich hab‘ nicht gewusst, dass ihr nicht da seid… Ich dachte halt, ihr würdet weiter hinten sitzen… Ich kam selbst so kurz vor knapp… Und ich hab’s Handy lautlos gehabt…“
P.: „Sorry Leute, ich hab‘ quasi weitergepennt, bin nur vom Bett ins Auto und vom Auto in den Bus geschlafwandelt… ich hab‘ nix mitbekommen!“
L.: „Ich hab‘ mein Handy nicht gehört, tut mir echt Leid… Und wir sind halt so fünf vor 9 los, weil die Frau S. und der Herr D. dachten, es wären alle da… und die haben halt nicht durchgezählt, nur gefragt ‚Seid ihr alle da?‘ und dann haben halt alle ‚ja‘ gesagt…“
[…]

Ja. Das war das. Hervorragend war das.

Zwei Jahre später, in der allerersten Stunde im Deutsch-LK, in der man so Vorstellungsgedöns macht, guckt Frau S. B. und mich an, errötet etwas und sagt: „Na, euch kenn ich doch… Ihr seid doch die, die ich in England vergessen hab‘. Sorry noch mal…“

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2 Gedanken zu „Schulerlebnisse die Zweite

  1. diewiderspenstige

    Hahahaha, ich glaube, das ist der Albtraum eines jeden Lehrers; die Schäfchen irgendwo zu verlieren 😀
    In England und Rom sind uns auch mal welche abhanden gekommen, auch im Schullandheim bei der Fahrradtour (wobei es mir bis heute ein Rätsel ist, warum zwei Leute links abbiegen, wenn die anderen 31 rechts fahren..). Vor ein paar Jahren in der Schweiz mit der eher gechillteren Sorte Lehrer… „Mh, ich komm nur auf 26, müssen doch 28 sein.. Egal, die tauchen schon wieder auf“ 😀

    Antwort

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