Von Berufsvorstellungen.

Ich wundere mich seit geraumer Zeit immer öfter darüber, was Kinder für Berufsvorstellungen haben, und wo diese eigentlich herkommen. Und was das über unsere Gesellschaft und ihr Bild von einigen bodenständigen (Ausbildungs-)Berufen aussagt.
Klar, im Kindergarten oder vielleicht noch in der Grundschule ist es gängig, dass man Astronaut oder Pilot oder sonst was Seltenes, enorm Anspruchsvolles, werden möchte, weil das eben cool ist. Aber dann?

Meine Sechstklässler beschweren sich heute, dass Berichteschreiben total unnötig sei, weil das sowieso kein Mensch brauche. Ich gebe zu bedenken, dass sie es in den kommenden Schuljahren beispielsweise für ihre Praktika, später aber auch in einigen Berufen brauchen könnten.

„Ähhhhm nee, Frau Studi“, widerspricht Anna da. „Wir sind doch schließlich auf dem Gymnasium!“

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Von Integration II

Vor einem halben Jahr schrieb ich schon mal von unseren Flüchtlingskindern. Ich muss sagen, dass sie mit die angenehmsten Schüler sind, die mir an der Tinalise-Schule unterkommen. Sie begegnen mir (bzw. den Lehrkräften generell) mit Respekt, sie hören auf das, was man ihnen sagt, sind stets freundlich und bedanken sich sogar für den Unterricht. Ich habe keinerlei negativen Erfahrungen mit ihnen gemacht, und das meine ich ganz ehrlich. Ich mag die Kinder unheimlich gerne.

Deshalb ist es für mich kein Problem, in einer Stunde doppelte Aufsicht zu führen. Die Lehrerin, die am Nachmittag die ganzen Kids aus den unterschiedlichen Klassenstufen zusammenpfercht, um Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, hat ein Gespräch mit dem Schulleiter, und da ich meine Sechser im Klassensaal nebenan hüte, bekomme ich die Aufsichtspflicht übertragen. Mit manchen Klassen an dieser Schule wäre es der blanke Horror (ausnahmsweise mal keine Übertreibung), denn die verhalten sich schon schwierig, wenn eine Lehrkraft im Raum ist. Sowohl mit den Sechsern als auch mit der Flüchtlingsklasse ist das aber kein Thema. 

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Von Liebesbriefen

Also, langsam beginne ich, mich alt zu fühlen, wenn ich sage: Zu unserer Zeit war das irgendwie noch alles anders. In der sechsten Klasse fanden wir Jungs eklig, was auf Gegenseitigkeit beruhte, und es war schon eine Zumutung, neben einem Exemplar des anderen Geschlechts sitzen zu müssen.

Heute schreiben die Sechstklässler Liebesbriefchen. Und auch hier hat sich etwas Entscheidendes geändert: Während sowas bei uns – wenn überhaupt – klammheimlich geschah, wird das heute aus unerfindlichen Gründen vor der gesamten Klasse demonstriert. Warum? 

Erstens hätte ich mich – obgleich ich gestehen muss, niemals einen Willst du mit mir gehen? Brief geschrieben zu haben (hab‘ ich da was verpasst?) – in Grund und Boden geschämt, wenn das irgendwer mitbekommen hätte. Zweitens kann man dadurch als Lehrperson nicht mal so tun, als hätte man es nicht mitbekommen (Mensch!), weil sich die ganze Klasse darauf stürzt, wenn Vanessa demonstrativ zu Tom läuft und ihm feierlich den Brief überreicht. Nochmal: Warum?

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Von Aussichten und Optionen

Frau Henners Post bringt mich ins Grübeln. Nicht, weil ich vorher die Tendenzen nicht gekannt hätte oder gänzlich blauäugig damals ins Studium gestartet wäre, in der Annahme, dass Lehramt „ein sicherer Job“ sei, wie man das so oft außerhalb hört. Nein, das nicht. Ich wusste, dass es nicht rosig aussieht, schon gar nicht hier im Süden, ich wusste, dass es nicht einfach werden würde und dass man sich im Studium reinhängen muss (…obwohl ich Menschen, die im Studium 4 gewinnt spielen oder sich mit einer 2,7 zufrieden geben, sowieso noch nie verstanden habe, unabhängig von individuellen Jobaussichten). 

Nun sind das aber sehr genaue Zahlen, die Frau Henner da freundlicherweise zusammengestellt hat. Schwarz auf weiß, wie viele Bewerber es hier tatsächlich für wie viele Stellen gab und bis zu welcher Note eingestellt wurde. 936:80 (Deutsch) und 826:90 (Englisch) sind für mich da die relevanten Zahlen. Und die Durchschnittsnote 1,7 als Grenze.

Bisher war es immer so, dass ich die Hoffnung hatte, wenn man nur gut genug ist und das wirklich will, dann muss es schon irgendwie klappen. Auch in Süddeutschland. Aber so wirklich sicher bin ich mir da gerade nicht mehr. 1,7, das ist eine Zahl, die zumindest in unserer Prüfungsordnung ziemlich illusorisch ist. Ich bin ziemlich gut in der Uni, das kann ich schon sagen. Und trotzdem weiß ich, dass eine 1,7 als Durchschnitt aus erstem und zweitem Staatsexamen nahezu nicht machbar ist. Klar, man muss jetzt sehen, dass die diesjährigen Zahlen sich überwiegend auch noch auf das „alte“ Staatsexamen bezogen haben, denn von den Leuten, die jetzt auch mit dem Ref durch sind, werden nicht allzu viele erst nach 2009 gestartet sein. 

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Shorty: Geographie-Probleme

Marek und Tobias, beide Klasse 8, kommen wild auf mich zugestürmt. 

„FRAU STUDI, ganz wichtige Frage: Wo liegt Kolumbien? In Südamerika oder in Russland?!“

„… in RUSSLAND!? Wie bitte? Nee, Kolumbien liegt natürlich in Südamerika. Wieso sollte das denn in Russland liegen?“

„*quiiiiiek* Siehst du Marek, ich hab’s dir gesagt! Hahaha! Ich hab‘ gesagt, das liegt in Südamerika!“

Marek, schmollend: „Sind Sie Geographie-Lehrerin?“

„Äh, nein?“

Marek, mit aufhellender Miene: „Dann haben Sie bestimmt nicht Recht! Dann können Sie das ja nicht wissen!“

?! …Ok. 5 Minuten später: „Der Herr H., der ist Geo-Lehrer, der sagt auch, dass Kolumbien in Südamerika liegt!“

„Sag ich doch. Auch ohne Geographie-Studium.“

„… aber man spricht da schon Russisch, oder?!“

Von der nächsten Runde

Bald geht es wieder los: Die Schulsommerferien neigen sich dem Ende zu, und die vorlesungsfreie Zeit rennt gleich hinterher.

Gerade befinde ich mich im Endspurt der letzten Hausarbeit meines Lebens [insert ‚Jubelgeschrei‘], das Äquivalent zur Master-Arbeit mal ausgenommen, was sich unglaublich gut und trotzdem doch auch ein bisschen komisch anfühlt. Die letzte Hausarbeit, nach raschem Durchzählen übrigens Nummer 18. Ich war wahrlich nie ein Freund davon, obgleich es sich, wenn man erst mal im Schreiben drin war, gar nicht mehr so schrecklich anfühlte. Eine Hausarbeit bringt doch immer einen unglaublichen Berg an Recherche-, Sortierungs- und Schreibarbeit mit sich. Und mir persönlich geht das wissenschaftliche Arbeiten ja mehr auf die Nerven als alles andere, weil der Eigenanteil, den man leisten darf, doch ziemlich gering ist und man sich überwiegend damit befassen darf, gefühlt hunderte Exemplare von Sekundärliteratur zu wälzen und die Meinungen irgendwelcher großen Namen zusammenzutragen und irgendwie so hinzubasteln, dass es auf 15, 20 oder 25 Seiten Sinn ergibt. Die selbstständige Analyse und Interpretation literarischer Texte, die mir in der Schule so viel Freude bereitet hat, findet an der Uni einfach kaum ihren Platz. Schade, das.
Andererseits stellt die letzte Hausarbeit auch irgendwie ein Signal dar, dass sich das Studium wirklich dem Ende zuneigt. Und dabei ist es doch gefühlt erst zwei Semesterchen her, dass ich mich an der großen Uni zurechtfinden musste, hektisch Räume gesucht habe (ok, je nachdem, an welchem dubiosen Ende der Welt des Campus sich so ein Raum befindet, kann das auch nach mehreren Jahren noch vorkommen) und mich von der schier nie enden wollenden Prüfungsordnung einschüchtern lassen habe. Irgendwie seltsam.

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